
Die Natur mit allen Sinnen entdecken
Kinderlachen und ein buntes Stimmengewirr war im Ökologischen Lehr- und Lerngarten der PH, früher auch als Schulgarten bezeichnet, und auf den Grünflächen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Naturwissenschaftlichen Zentrum schon von weitem zu hören. Bei strahlendem Sonnenschein erlebten 120 Grundschülerinnen und -schüler sowie 65 Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe einen spannenden Vormittag mitten im Grünen. Sie stellten Heilsalbe und Kräuterbutter her und beschäftigten sich mit der Arbeit des Maulwurfs, mit Gartenvögeln und Pflanzenfarben. Außerdem machten sie eine Entdeckungsreise in die Welt unter der Wiese, bastelten eine Blumenpresse und hatten weitere spannende Einblicke in die Welt der Pflanzen und Beete.
Schulgarten als wichtiger Lernort
Was für die sechs- bis zwölfjährigen Kinder zunächst einfach ein Garten ist, in dem eine große Vielfalt an Pflanzen wächst und gedeiht, ist für die Studierenden der PH ein wichtiger Lernort, an dem die Kinder mit allen Sinnen Erfahrungen sammeln können. Die Lernstationen – insgesamt zwölf für Grundschülerinnen und -schüler – bezogen sich auf das Thema Wiese und fünf für die Fünft- und Sechstklässler zum Thema Garten und Draußenlernen. Hier blüht es, hier fliegen Bienen und andere Insekten, hier lockern Regenwürmer den Boden auf und hier wachsen wertvolle Heilpflanzen.
Apropos Regenwurm. „Ich hatte zum ersten Mal einen in der Hand und es war am Anfang komisch“, beschrieb Yassine aus der Klasse 4b der Grundschule am Martinsberg seine Erfahrung. Nils fand vor allem die Körperteile des Regenwurms spannend. „Es ist sehr cool und ich habe viel gelernt“, fasste er zusammen. Ein paar Meter weiter standen Erstklässler, ebenfalls von der Grundschule am Martinsberg, um eine Kiste mit Erde und durchwühlen sie mit ihren Händen. „6 Kilogramm in nur 20 Minuten bewegt der Maulwurf mit seiner Grabschaufel“, erklärt Studentin Danielle Friedel. Da wundern sich nicht nur die Kleinen, wie viel dieser nützliche Gartenhelfer leisten kann, um den Boden zu durchlüften und wertvollen Humus herzustellen.
„Habt ihr euch schon einmal überlegt, wie es unter der Wiese aussieht“, fragte die angehende Lehrerin Lara Weber. In verschiedenen Kisten befanden sich Boden, Humus, Steine und eine Grasnarbe. Die Grundschüler fühlten das Material mit Händen und Füßen und erfuhren, wie die einzelnen Schichten aufgebaut sind. „Der Tag war bisher richtig gut“, sagte Drittklässler Leo. Besonders gut habe ihm das Herstellen von Kräuterquark gefallen. „Der war sehr lecker.“ Auch die Kräuterbutter, für die die Weingartener Realschülerinnen und -schüler der Klasse 6a erstmal kräftig Sahne schütteln und Kräuter kleinschneiden mussten, gelang prima. Ganz nebenbei erfuhren sie den Unterschied zwischen ein- und mehrjährigen Kräutern. „Natürlich wollen wir auch Wissen über die einzelnen Kräuter vermitteln“, sagte Student Moritz und erläuterte, dass man auch die Blüten des Schnittlauchs essen kann.
Wichtiger Übergang von der Theorie zur Praxis
Nicht nur die Kinder, auch die Studierenden konnten im Rahmen des Schulgartenfestes viele Erfahrungen sammeln. „Für sie geht es um das Thema Lernen im Freien, um das Initiieren von Naturbegegnungen und um handelndes Lernen“, erklärte Anja Heinrich-Dönges, Geschäftsführerin des reaLLabs - Labor für Lehr-Lern-Design. Svenja Baumgartinger, Geschäftsführerin des Studiengangs Umweltbildung, betonte, wie wichtig für die Studierenden der Übergang von der Theorie in die Praxis ist.
„Der Sachunterricht lebt von solchen lernorientierten Veranstaltungen“, ergänzte Max Miehle, der an der PH in diesem Bereich tätig ist. Dabei spiele auch der Inklusionsgedanke eine wichtige Rolle. „Die Lernumgebung sollen die Studierenden beim Schulgartenfest für alle Grundschulklassen anpassen können“, so Miehle. Wichtig sei ihm auch der Kontakt zu den benachbarten Schulen. Beispielsweise seien mit der Realschule Weingarten und der benachbarten Grundschule am Martinsberg über Veranstaltungen wie den Tag des Schulgartens gute Kooperationen aufgebaut worden.
Nach einem leckeren Mittagessen mit Falafel im Fladenbrot und süßen Waffeln für Studierende, Lehrende und Verwaltungsmitarbeitende hatten am Nachmittag auch Kinder aus der Region mit ihren Eltern die Gelegenheit, zum Schulgartenfest zu kommen.
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Text: Claudia Wörner
Fotos: Svenja Baumgartinger (PH)