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24.02.2026

Lotta Betz mit Genderpreis ausgezeichnet

Für ihre Bachelorarbeit über die Reproduktion stereotyper Geschlechterrollen in der Haus- und Care-Arbeit wurde Lotta Betz mit dem Genderpreis der Gleichstellungsbeauftragten ausgezeichnet.

„Das bisschen Haushalt macht sich von allein … sagt mein Mann“, singt Johanna von Koczian im Jahr 1977 und bringt damit ein Gesellschaftsbild auf den Punkt, das bis heute nachwirkt: Die Frau kümmert sich um den Haushalt, der scheinbar ganz leicht von der Hand geht, während der Mann der bezahlten Arbeit nachgeht. Diese Arbeit der Frau erscheint dabei selbstverständlich, fast naturgegeben. Als liege Fürsorge in ihrem Wesen. Beschwerden darüber wirken fehl am Platz, schließlich fährt der Mann jeden Tag zur Arbeit und hat es damit vermeintlich schwerer.

Solche Rollenbilder, in denen die Frau „hinter den Herd gehört“, begegnen uns bis heute in Werbung, Medien und im Alltag. Sie sind so allgegenwärtig, dass sie oft als natürlich wahrgenommen werden. Autor*innen wie Silvia Federici und Judith Butler zeigen jedoch, dass diese Vorstellungen keineswegs naturgegeben sind, sondern historisch entstanden, wiederholt und über lange Zeit gefestigt wurden.

Heute bleibt kaum eine Frau ausschließlich als Hausfrau zu Hause, während der Mann arbeitet. Stattdessen geht sie ebenfalls einer Erwerbsarbeit nach und übernimmt zusätzlich Haushalt, Kinderbetreuung, emotionale Fürsorge, soziale Kontakte und nicht zuletzt das Geburtstagsgeschenk für die Schwiegermutter. Der Mann hingegen geht in den meisten Fällen eben arbeiten. In der Summe leistet die durchschnittliche Frau dabei mehr Arbeitsstunden pro Woche als der Mann, der Großteil davon ist unbezahlt. Dass sich diese strukturelle Ungleichverteilung massiv auf die Altersvorsorge auswirkt und insbesondere alleinerziehende Mütter betrifft, ist seit Jahren bekannt.

Statt jedoch über Ausgleichszahlungen wie Elterngeld oder Rentenpunkte zu schreiben, richtet die Bachelorarbeit von Lotta Betz den Blick auf eine grundlegendere Ebene: Haus- und Fürsorgearbeit bilden das Fundament unserer Gesellschaft. Sie sind keine optionale Zusatzleistung, sondern eine notwendige Basisarbeit, die allen Menschen zugutekommt. Entsprechend sollten diese Fähigkeiten nicht einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zugeschrieben, sondern allen vermittelt werden.

Haus- und Fürsorgearbeit dient dem Wohlergehen aller und kann daher nicht weiter als private Mehrarbeit an Einzelne abgegeben werden. Eine gerechtere Verteilung würde nicht nur geschlechterbasierte Ungleichheiten abbauen, sondern auch gesellschaftliche Probleme wie männliche Vereinsamung adressieren. Voraussetzung dafür ist jedoch eine kollektive Verantwortungsübernahme.

Ein möglicher Ansatzpunkt hierfür liegt im Schulfach AES (Alltagskultur, Ernährung und Soziales). Als Fach mit Wurzeln in der Mädchenbildung haftet ihm bis heute das Image reiner Hauswirtschaft an. Betz argumentiert jedoch, dass Kompetenzen wie Budgetplanung, gesunde Ernährung, bewusster Konsum und Fürsorge zentrale Bestandteile eines selbstständigen Erwachsenenlebens sind und somit Teil jeder Schullaufbahn sein sollten.

So entsteht ein Bildungsansatz, der Haus- und Fürsorgearbeit nicht länger als auslagerbare Mehrarbeit begreift, sondern als gesellschaftliche Grundlage. Kindern wird damit ermöglicht, ein verantwortungsbewusstes, sozial engagiertes Leben zu führen. Auf diese Weise leistet Bildung einen aktiven Beitrag zur Überwindung geschlechterbasierter Ungleichheit.

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Autorin: Lotta Betz

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