„Gute Bildung braucht eine starke demokratische Grundlage – Institutionen, die kritisches Denken fördern, wissenschaftliche Freiheit sichern und gesellschaftliche Vielfalt ernst nehmen“, betont Prof. Dr. Jörg-U. Keßler, Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz der PHn und Rektor der PH Ludwigsburg. „Zugleich ist Bildung selbst unverzichtbar für die Zukunft unserer Demokratie – denn nur durch gute Bildung können wir demokratische Werte verstehen, verteidigen und lebendig halten.“
„Unsere Demokratie garantiert die Achtung der Menschenwürde, gleiche Rechte für alle Menschen, die Chance auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe sowie ein Leben in Freiheit. Gleichzeitig lebt die Demokratie vom Engagement ihrer Bürger:innen. Demokratiebildung ist ein wichtiger Schlüssel um die Beteiligung und Mitwirkung aller zu fördern und damit auch eine wichtige Aufgabe für uns als Pädagogische Hochschulen“, ergänzt die Rektorin der PH Weingarten Prof. Dr. Karin Schweizer.
An den PHn ist Demokratiebildung vielfältig verankert: Sie ist Gegenstand von Studienmodulen im Lehramtsstudium, spezialisierten Masterstudiengängen, Workshops, Fachtagen und Ringvorlesungen ebenso wie von Weiterbildungsangeboten, Forschungspublikationen und Wanderausstellungen. So arbeiten die PHn etwa an der Analyse und Gestaltung von Sachunterricht im Kontext der Demokratiebildung oder befassen sich mit der Rolle von Pädagogik und Sozialer Arbeit im Umgang mit Rechtsextremismus.
An der PH Weingarten forscht Juniorprofessor Dr. Steve Kenner seit Jahren zur Bedeutung des demokratischen Bildungsauftrages und räumt mit einem zentralen Mythos auf: „Bildung kann und darf in einer demokratischen Gesellschaft nicht neutral sein. Die Bundesrepublik Deutschland hat zentrale Werten und Prinzipien als Lehre aus dem Nationalsozialismus fest in der Verfassung verankert. Der Schutz der Würde des Menschen sowie die Anerkennung und Verteidigung von Menschenrechten sind mit Ewigkeitsklausel verankert. Zu diesen Werten und den Strukturprinzipien Demokratie, Sozialstaat und Rechtsstaatlichkeit dürfen wir uns nicht neutral verhalten, sondern müssen Haltung zeigen." Um den Austausch zwischen Wissenschafts- und Bildungspraxis in diesem Feld auszubauen, hat Kenner das Format „BarCamp Gesellschaft im Wandel“ ins Leben gerufen. An diesen offenen Tagungsformaten nahmen in den letzten Jahren zahlreiche interessierte Schüler:innen, Studierende, Lehrer:innen und außerschulische Bildungsakteur:innen teil, tauschten Erfahrungen aus und entwickelten gemeinsam vielfältige Projekte und Ideen zur Stärkung der politischen Bildung und der Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Region. Auch in diesem Jahr wird am 22. Juni 2026 erneut ein „BarCamp Gesellschaft im Wandel“ stattfinden.
Auch in Forschung und Lehre an der PH spielt Demokratiebildung eine wichtige Rolle. Die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Juliana Gras beschäftigt sich in ihrer Forschung und Lehre mit der Frage, wie demokratisches Lernen in Schulen gelingen kann – besonders in Klassen, in denen Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam lernen. Sie untersucht, welche Bedingungen notwendig sind, damit Schülerinnen und Schüler wirklich mitbestimmen und sich einbringen können – und wo es im Schulalltag noch Hürden gibt. Dabei verbindet sie wissenschaftliche Forschung mit dem klaren Ziel, Schule als Ort zu stärken, an dem Demokratie nicht nur vermittelt, sondern auch erlebt wird. Sie betont: „Ziel demokratiepädagogischer Ansätze ist es, alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen und systematisch in demokratische Lern- und Erfahrungsprozesse einzubeziehen und ihnen echte Teilhabe zu ermöglichen.“
Ein weiteres Beispiel war das internationale Projekt ValiDE unter der Leitung von Professorin Dr. Stefanie Schnebel, das Lehramtsstudierende darauf vorbereitet hat, mit der sozialen, kulturellen und religiösen Vielfalt in der Grundschule umzugehen und ihnen Kompetenzen zur Stärkung der demokratischen Werte vermittelt hat.
Bei diesen Beispielen handelt es sich nicht um Einzelinitiativen, sondern um ein strategisch verankertes Engagement in den Leitbildern und Entwicklungsstrategien der Hochschulen.
Das Bündnis Demokratie und Menschenrechte steht für ein klares Bekenntnis zu Zusammenarbeit, Verantwortung und einer offenen, vielfältigen Gesellschaft. Die PHn bringen sich unter anderem durch Gremienarbeit, Aktionen in den sozialen Medien sowie durch die Verbreitung eigener Initiativen und Veranstaltungen ein.