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Neue Ideen für lebendiges Vorlesen

Programm und Workshops beim Vorlesetag an der Pädagogischen Hochschule Weingarten stießen auf großes Interesse und durchweg positive Resonanz

„Lebendiges Vorlesen“ von und mit Kinderbuchautor Manfred Mai und der Musiker Martin Lenz.

Die Besucher erhielten Tipps für lebendiges, interaktives und sinngestaltendes Vorlesen sowie Anregungen für musikalische Lesungen.

Weingarten – „Wer das Lesen feiert, rettet es“, zitierte Professor Dr. Jürgen Belgrad, Leiter des Forschungsprojekts „Leseförderung durch Vorlesen“, in seiner Begrüßung zum diesjährigen Vorlesetag an der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH) einen aktuellen Bericht aus der „Zeit“. Lesen eröffne nicht nur neue Welten, es habe auch Einfluss auf das Sprachbewusstsein, auf Konzentrations- und Aussagefähigkeit, betonte Belgrad.

Dass Lesen, Vorlesen und Bücher auch in einer digitalisierten Welt immer noch sehr gefragt sind, zeigten die rund 160 Besucher – darunter Vorleserinnen und Vorleser, Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern, Autorinnen und Autoren sowie andere Literatur- und Kulturinteressierte–, die am bundesweiten Vorlesetag zu der Veranstaltung „Lesekino – Lebendiges Vorlesen“ an die PH Weingarten gekommen waren. „Wie schön, dass die Freude und das Interesse am Lesen ungebrochen sind“, freute sich Professorin Dr. Karin Schweizer, PH-Prorektorin für Forschung, mit Blick auf die vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Wichtigkeit des frühzeitigen Vorlesens sei erkannt, sagte sie. Studien hätten gezeigt, dass viele Eltern zu spät mit dem Vorlesen beginnen. Zu dem Vorlesetag eingeladen hatte die PH zusammen mit Ludger Baum, Leiter des Regionalen Bildungsbüros Ravensburg. Kooperationspartnerin war Ulrike Schreiner-Luik von der Kinderstiftung Ravensburg. Die Schirmherrschaft lag bei Weingartens Oberbürgermeister Markus Ewald. Lesen und Vorlesen hätten auch für ihn persönlich einen hohen Stellenwert, betonte Ewald in seinem Grußwort. Vorlesen diene nicht nur der Sprachförderung, sondern fördere in den Familien auch den Zusammenhalt zwischen Eltern und Kindern. Der Vorlesetag an der PH strahle weit in die Region, bedankte er sich bei den Veranstaltern. „Und wenn der Tag dazu beiträgt, dass in unserer Stadt noch mehr gelesen und vorgelesen wird, ist ein wichtiges Ziel erreicht“, so der Oberbürgermeister.

Im Mittelpunkt des Vorlesetages an der PH stand in diesem Jahr das „Lebendige Vorlesen“. Welche Spannung eine Lesung mit Musik erzeugen kann, zeigten der beliebte Kinderbuchautor Manfred Mai und der Musiker Martin Lenz. Begeistert sangen die Gäste mit: „A, b, c – Lesen tut nicht weh“ oder „Auf dem großen Erdenball gibt es viele Tiere“. Und sie verfolgten amüsiert, wie Manfred Mai durch Mimik, Gestik, Sprache und Stimme die vorgelesenen Texte zum Leben erweckte und Martin Lenz mit seiner Gitarre das passende Lied an der passenden Stelle beisteuerte.

An den Mitte November unerwartet verstorbenen Regisseur und Theaterpädagogen Felix Strasser, der am Vorlesetag über lebendiges Vorlesen aus einem Sachbuch referieren wollte, erinnerte Professor Dr. Belgrad mit einem Video. Es zeigte Strasser bei einer theatralischen Lesung in der Realschule Markdorf. „Seine Auftritte waren legendär. Wir werden ihn nie vergessen“, so Belgrad. Dass das Vorlesen aus Sachbüchern nicht nur das Sachinteresse von Kindern wecken, sondern auch richtig Spaß machen und begeistern kann, stellte Christine Kranz, Referentin für Leseförderung bei der Stiftung Lesen in Mainz, überzeugend unter Beweis. „Wagen Sie etwas Neues beim Vorlesen“, appellierte sie an ihr Publikum. Das Vorlesen aus Sachbüchern wecke die Neugier und könne immer auch mit einer dazu passenden Lesegeschichte verbunden werden.

Was sich hinter dem Begriff „Improvisierendes Vorlesen“ verbirgt, zeigten die Schauspieler und Theaterpädagogen Jutta Klawuhn und Alexander Niess vom Theater Ravensburg sehr anschaulich: Sie entwickelten auf Zuruf einzelner Stichworte aus dem Publikum spontane Geschichten und begeisterten mit improvisierten Vorlesesequenzen ihre Zuhörerinnen und Zuhörer. „Das müsste man können, dann würde der Deutschunterricht zum Lieblingsfach“, meinte eine angehende Lehrerin. Tipps für lebendiges, interaktives und sinngestaltendes Vorlesen sowie Anregungen für musikalische Lesungen erhielten die Vorlesetag-Besucher auch bei den anschließenden Workshops.

Text und Fotos: Barbara Müller

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