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Ästhetisches Dasein

Grundanliegen des Projektes ist die ästhetische Bildung der Gesamtpersönlichkeit von Hauptschülern im Sinne einer Stärkung des positiven Selbstkonzepts. Das Projekt will kunst- und theaterpädagogische Arbeitsweisen und das Ausdrucksspiel aus dem Erleben (Jeux Dramatiques) für die Persönlichkeitsbildung von Hauptschülern nutzen und den Verlauf und die Effekte der Bildungsprozesse beschreiben, interpretieren und evaluieren. Im Zentrum steht die Förderung von Fähigkeiten der Selbstwahrnehmung und Selbstdarstellung im Rahmen eines positiven Selbstkonzepts (Selbstbild und Selbstbildung).

 

Der Aufbau einer umfassenden ästhetischen Grundkompetenz umfasst mindestens folgende Aspekte:

·         Ichbewusstsein

·         Wahrnehmungsfähigkeit, insbesondere Selbst- und Fremdwahrnehmung

·         Einfühlung und Umgang mit Emotionen

·         Ausdrucksfähigkeit (Körpersprache, Mimik, Gestik)

·         Differenzerfahrung und Perspektivenwechsel

·         kommunikative und soziale Kompetenz

·         Konfliktfähigkeit

·         Achtsamkeit und Selbstreflexivität

·         Selbstgestaltung und personale Präsenz

 

Insgesamt sollen die Hauptschüler zur engagierten und reflektierten Teilhabe an der Lebenswelt befähigt werden und damit auch der Übergang in die Berufs- und Arbeitswelt erleichtert werden. Zu diesem Zweck wurde ein fachübergreifendes Unterrichtsmodell entwickelt, in dem das Persönlichkeitsprofil von HauptschülerInnen mit Hilfe theaterpädagogischer Verfahren (SAFARI-Modell von G. Czerny und Jeux Dramatiques) und kunstpädagogischer Verfahren unterstützt und gefördert wird. Ferner wurde ein empirisches Methodeninstrumentarium erprobt, mit dessen Hilfe sich die Effektivität der angewandten Verfahren überprüfen lässt.

 

Im Projekt kooperieren die beiden Pädagogischen Hochschulen Ludwigsburg und Weingarten. In Ludwigsburg leiten Herr Professor Dr. Sowa vom Fach Kunst und Frau Dr. Czerny von der Theaterpädagogik, Elke Mailänder arbeitet als Diplomandin mit. In Weingarten promoviert Herr Wolfgang Schnell im Projekt unter der Leitung von Herrn Professor Dr. Reinhoffer. An beiden Hochschulen werden seit Semestern über Lehrveranstaltungen Studierende in das Projekt einbezogen, von denen eine stattliche Anzahl wissenschaftliche Arbeiten anfertigen. Großes Engagement bringen die beteiligten Schulen Kirchheim am Neckar und Bietigheim-Bissingen mit ihren Schulleitungen und den Klassenlehrkräften ein. Nicht zu vergessen die Schüler der zwei siebten Hauptschulklassen, die sich auf die Erhebungen bzw. die Unterrichtseinheiten und Erhebungen einließen.

 

Das Forschungsprojekt besteht aus drei tragenden Komponenten:

a) Die Arbeit am Theorierahmen

b) Die Arbeit an einem praktisch-pädagogischen Konzept

c) Die Arbeit an empirischen Verfahren der Beschreibung, Interpretation und Evaluation

Zu a) Die Arbeit am Theorierahmen

In der Zusammenführung von phänomenologischer Hermeneutik, ästhetischer Philosophie, Bildtheorie und theatral-performativer Handlungstheorie konkretisiert sich der Theorierahmen des Forschungsprojektes.

Die Auseinandersetzung mit dem Menschenbild der phänomenologischen Hermeneutik (Heidegger, Gadamer) definiert Modelle von Personalität und Handlung, aber auch von „Beobachtung“ und „Interpretation“. Die andere zentrale Komponente sind neuere Beiträge zur ästhetischen Philosophie und Bildtheorie (Welsch 1990, Seel 2000, Kleimann 2002, Böhm 2002, Böhme 1999 und 2001, Mersch 2001, H.-D. Huber 2004), in der die Dimensionen der Aisthesis, des Wechselverhältnisses Ästhetik/Anästhetik (Welsch), der Bildlichkeit (Böhm und Böhme) und des Ereignisses (Heidegger und Mersch) thematisiert und neu vermessen werden. Eine dritte Komponente sind neuere Theorien der Theatralität (Fischer-Lichte), der Performanz (Dreher) und der Selbstgestaltung/Selbstinszenierung (Shusterman). Im Zentrum dieser Theorien stehen die Probleme der theatralen Differenzerfahrung, der Wechselverhältnisse zwischen Authentizität und Flexibilität, Identität und Persönlichkeitsdarstellung, Selbstkonzept und „Selfmonitoring“, direktem Handeln und Selbstbeobachtung, Körper-Haben und Körper-Sein, Innerlichkeit und Öffentlichkeit, Natürlichkeit und Kulturalität (Mersch, Fischer-Lichte, Laux, Hentschel).

Dieser Theorierahmen erscheint besonders geeignet, die in Frage stehenden Phänomene eines ästhetischen Selbst- und Weltverhältnisses und eines personal-situativen Auftretens und Handelns zu beschreiben.

 

Zu b) Die Arbeit an einem praktisch-pädagogischen Konzept

Das praktisch-pädagogische Konzept fußt damit auf dem Grundansatz ästhetischer Bildung. Ausgehend von der Grundfrage, welchen Beitrag kunst- und theaterpädagogische Verfahren zur Selbstbildung von Jugendlichen leisten können, wird am Beispiel von sieben Unterrichtseinheiten gezeigt, wie personale, ästhetische und sozial bildende Prozesse sich bei Jugendlichen konkretisieren lassen.

Die Selbstbildung wird angestoßen durch die Konfrontation mit dem Wahrnehmen und Erleben des eigenen Körpers aus mehreren wechselnden Perspektiven: Aus der Innenerfahrung, der Fremdbeobachtung und Einfühlung und der Selbstbegegnung im medialen Bild. Von Bedeutung ist die aktive Teilnahme an den Äußerungen Anderer sowie das Mitteilen eigener Gefühle, Ängste oder Wünsche mit sprachlichen, gestischen und mimischen Mitteln des gesamten Bewegungsapparates.

Bildungsziel ist die Schulung der individuellen Wahrnehmungs-, Ausdrucks- und Darstellungsfähigkeit sowie letztlich der eigenen Selbstbestimmung und Urteilsfähigkeit. Auf dem Weg dahin erfährt der Schüler im Spiel die Freiheit zur Selbsttätigkeit und Selbstbestimmung. Letztlich angestrebt wird die Entwicklung und Förderung eines erweiterten Bewusstseins von „Verantwortung“ und interaktiver Fähigkeiten.

Der ästhetische Bildungsgedanke, der diesem Modell zugrunde liegt, bezieht sich auf einen über den engeren Kunstbereich hinaus erweiterten Begriff von „Bild“, „Theater“ und „Darstellung“ – letztlich aber auf den oben explizierten umfassenden Begriff eines „ästhetischen Daseins“.

 

Zu c) Die Arbeit an empirischen Verfahren der Beschreibung, Interpretation und Evaluation

Im Projekt wird ein empirisches Methodeninstrumentarium entwickelt, mit dessen Hilfe sich die Effektivität der angewandten Verfahren in den Unterrichtseinheiten überprüfen lässt. Die Konzeption und Erprobung erfolgt im Diskurs der Forscher und mit Studierenden, die so in Lehre und Forschung eingebunden werden. Im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Hausarbeit bzw. Diplomarbeit können sie in diesem Forschungsprojekt forschend tätig werden und die gewonnenen Erkenntnisse dokumentieren und auswerten. Ferner sollen sie sich mit dem seit 2004 geltenden Bildungsplan für die Hauptschule nicht nur auseinander setzen sondern eine Umsetzung auch praktisch erproben.

 

Dieses Forschungsprojekt wird vom Forschungsverbund Hauptschule des Landes Baden-Württemberg gefördert.

 

 

 

 
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