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10 zentrale Aspekte der Montessori-Pädagogik


Wer einen tieferen Einblick bekommen möchte findet einige Literatur- und Internetquellen.


1. Bild vom Kind

Für Maria Montessori war es immer wichtig, dass das Kind selbst in den Mittelpunkt gestellt wird.
„Ich möchte in den Mittelpunkt das Kind stellen, wie es sich rein und schlicht selber darbietet.“ (Maria Montessori. In: Böhm, 2010, S.66)
Das Kind kann seine Persönlichkeit am besten entfalten, wenn der Erwachsene nicht in diversen Situationen an seiner Stelle handelt, sondern dem Kind die Möglichkeit gibt, es selbst zu tun.

Böhm, Winfried (2010): Maria Montessori. Einführung mit zentralen Texten. S. 66f. Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh GmbH & Co. KG
ISBN 978-3-506-76760-8


2. Sensible Phasen

In den sensiblen Phasen hat das Kind ein erhöhtes Auffassungsvermögen für bestimmte Fähigkeiten. Es ist also besonders offen um bestimmte Vorgänge leicht aufzunehmen und zu lernen.
Montessori beschreibt drei sensible Phasen der Entwicklung:
Phase 1 (0-6 Jahre): Entwicklung der Basis für Persönlichkeit und Kompetenz
Phase 2 (6-12 Jahre):  Entwicklung der moralischen Sensibilität
Phase 3 (12-18 Jahre): Entwicklung der sozialen Sensibilität

Raapke, Hans-Dietrich (2001): Montessori heute. Eine moderne Pädagogik für Familie, Kindergarten und Schule. S. 56ff. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH  
ISBN 3-499-60537-6


3. Polarisation der Aufmerksamkeit

Montessori beobachtete bei einigen Kindern  die vertiefte Beschäftigung mit einem Material. Das Kind geht in dieser Phase voll in seiner Aufgabe auf. Um diese kostbaren Augenblicke der Konzentration herzustellen, muss eine möglichst genaue Vorbereitung der Umgebung und des Materials getroffen werden (siehe Punkt 4 und 6).

Hebenstreit, Sigurd (1999): Maria Montessori. Eine Einführung in ihr Leben und Werk. S. 53ff. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder
ISBN 3-451-26784-5


Auch der Psychologe Mihalyi Csikszentmihalyi beschreibt den Effekt der völligen Versenkung. Er nennt ihn „Flow“.
„Flow ist ein subjektives und situatives, qualitativ hochwertiges Erleben und kann bei jeder Tätigkeit auftreten kann, die das Handeln in irgendeiner Weise herausfordert. Flow ist zuständig für seelisches Wohlbefinden, innere Zufriedenheit, Lebensfreude sowie für Glücksgefühle.“ (Csikzentmihaly, Mihaly. In: Sabrina Schmiderer 2010. S. 141)

Sabrina Schmiderer (2010): Flow oder Show? – Der Flow-Effekt nach Csikzentmihaly im  Zusammenhang mit der entspannten Lernumgebung nach Montessori. In: Das Kind, Heft 47-48. S. 141


Ludwig, Harald (Hrsg.) (1999): Montessori- Pädagogik in der Diskussion. Aktuelle Forschungen und internationale Entwicklungen. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder
ISBN 978-3-451-32514-4


4. Material

4.1 Ansprüche an das Material in der Montessori-Pädagogik:
      Isolation/Reduzierung der Schwierigkeit, mengenmäßige Begrenzung, selbst erklärend,   
      Aufforderungscharakter, ästhetische Qualität, selbstständige Fehlerkontrolle
      (Funktionalität, Ganzheitlichkeit, Schlüsselfunktion)

     


4.2 Unterteilt wird das Material in die verschiedenen Bereiche:

       → Übungen des täglichen Lebens
            Diese Übungen sind vor allem für Vorschulkinder gedacht.  Es handelt sich dabei um     
            einfache Übungen der Körperpflege (z.B. Hände waschen), Pflege der Umgebung
            (z.B. Fegen) und motorische Übungen (Schüttübungen, Tragen & Zurückstellen,
            Schuhe binden,…).

       → Sinnesmaterial
            Es gilt als Grundlage der Intelligenzentwicklung: die menschlichen Sinne bilden die  
            Basis des Lernens. Es werden Sinnesübungen zum Tasten und Fühlen, Schmecken,
            Riechen, Gleichgewicht, Hören, Sehen, und sich bewegen gemacht.

       → Kosmisches Material
            Material zur Kosmischen Erziehung (vgl. Punkt 5)

       → Material zur Sprache

       → Mathematisches Material

       → Musisch-kreatives Material

´          

            Ludwig, Harald (Hrsg.) (2011):  Praxishandbuch der Montessori-Methode. S. 33ff.
            Freiburg im Breisgau: Verlag Herder GmbH
            ISBN 978-3-451-32514-4

            Steenberg, Ulrich (2002): Montessori-Pädagogik im Kindergarten. Profile für Kitas und  
            Kindergärten. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder
            ISBN 3-451-27840-5


5. Kosmische Erziehung

Die kosmische Erziehung ist umfassend und will den Kindern ihre Verantwortung für den Kosmos bewusst machen. Sie verbindet die Naturwissenschaften miteinander. Montessori wollte, dass Kinder die bestehenden Beziehungen in der Umwelt erkennen und das bestehende Gleichgewicht schützen.

Ludwig, Harald (Hrsg.) (1999): Montessori- Pädagogik in der Diskussion. Aktuelle Forschungen und internationale Entwicklungen. S. 122ff. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder
ISBN 978-3-451-32514-4



6. Vorbereitete Umgebung

Die Umgebung spielt eine sehr große Rolle. Die Kinder sollen einen Raum vorfinden, der es ihnen erlaubt, eigenständig zu arbeiten. Dazu gehört ein kindgerechtes Mobiliar und frei zugängliches Material, das geordnet und strukturiert angeboten wird.

Ludwig, Harald (Hrsg.) (2011):  Praxishandbuch der Montessori-Methode. S. 16ff. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder GmbH
ISBN 978-3-451-32514-4


7. Freiheit / Freie Wahl der Arbeit vs. Disziplin

Die Kinder sind frei in der Entscheidung über ihren Arbeitsplatz und auch bei der Wahl des Materials, die Grenze ist die Freiheit der anderen. Die geordnete Struktur der vorbereiteten Umgebung bietet den äußeren Bezugsrahmen für das Kind. Jeder stellt sein Material wieder an den dafür vorgesehenen Platz, sodass ein anderes Kind nicht danach suchen muss. Die Freiheit des einzelnen wird eingeschränkt, wo wenig entwicklungsförderlich gehandelt wird. Diese Unterscheidungsfähigkeit ist eine wichtige Kompetenz des/der Erzieher*in.

Hebenstreit, Sigurd (1999): Maria Montessori. Eine Einführung in ihr Leben und Werk. S 61ff. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder
ISBN 3-451-26784-5


8. Rolle des/der Erziehers*in

In der Pädagogik Montessoris hat der Erwachsene vielfältige Aufgaben: helfend, beobachtend, auf Augenhöhe, anleitend. Der/die Erzieher*in muss sich selbst zurücknehmen, selbstreflektierend sein und dem Kind gegenüber eine demütige Haltung einnehmen können.

Maier-Hauser, Heidi (2000): Lieben-ermutigen-loslassen. Erziehen nach Montessori. Weinheim und Basel: Beltz Verlag
ISBN 3-407-22816-3


Holtstiege, Hildegard (1991): Erzieher in der Montessori-Pädagogik. Bedeutung-Aufgaben-Probleme. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder GmbH
ISBN 3-451-21998-0


9. Beobachten

Für den/die Erzieher*in - egal ob Lehrer*in oder Eltern - ist das richtige Beobachten eine bedeutsame Aufgabe in der Montessori-Pädagogik. Die wichtigsten Punkte, die es zu beachten gilt:  der/die Beobachter*in sollte schweigsam und geduldig sein. Er/Sie sollte versuchen Phänomene wahrzunehmen, die zunächst nicht auffällig erscheinen, gleichzeitig sollte die Ganzheit der Situation erfasst werden.

Holtstiege, Hildegard (1991): Erzieher in der Montessori-Pädagogik. Bedeutung-Aufgaben-Probleme. S. 39ff. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder GmbH
ISBN 3-451-21998-0


10. Kinderhäuser und Schulen


Derzeit gibt es laut dem Montessori Dachverband Deutschland e.V. in Deutschland über 1000 Schulen und Kitas, die nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik arbeiten.





 
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