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Essenskobolde machen Kindergartenkindern Gemüse schmackhaft

20.06.2018

Kooperationsprojekt von PH Weingarten und Kindergarten Kluftern


Eindrücke von den "Essenskobolden" aus dem Kindergarten Kluftern.

Friedrichshafen/Weingarten – Im Herbst 2017 startete das Design-Based-Research-Projekt „Essenskobolde“. Es wurde unter dem Dach der Lernwerkstatt Grundschulzentrum von einem studiengangübergreifenden Netzwerk, bestehend aus den Arbeitsbereichen Sachunterricht (Prof. Dr. Bernd Reinhoffer, Anja Heinrich-Dönges), Elementarbildung (Prof. Dr. Susanna Roux, Jutta Sechtig), Alltagskultur und Gesundheit (Prof. Dr. Claudia Angele) sowie Biologie (Prof. Dr. Holger Weitzel) an der Pädagogischen Hochschule Weingarten in Kooperation mit dem Kindergarten in Friedrichshafen-Kluftern initiiert.

An den Bedarfen der Praxiseinrichtung orientiert, entwickelt ein vierköpfiges Team aus Studierenden der Studiengänge Elementar- bzw. Primarbildung eine Reihe aufeinander aufbauender Bildungsangebote für drei- bis sechsjährige Kinder. Ziel ist die Sensibilisierung für und aktive Beteiligung der Kinder an Fragen der frühen Ernährungsbildung. Die Kinder pflanzen Kräuter, mahlen Getreide, kochen Gemüsesuppe, backen Pfannenbrot, probieren Gemüsesmoothies, experimentieren mit Roter Beete und gestalten Gemüsegesichter. Neben grundlegenden Informationen über gesundes Essen stehen besonders die Geschmackserlebnisse und vielfältigen Sinneseindrücke im Mittelpunkt. Jedes Kind kann seinen eigenen Zugang zu gesundem Essen finden.

Die Projektinitiative ging vom täglichen Mittagessen im Kindergarten aus: Die Hinweise auf „das Gesunde“ in Obst und Gemüsen allein machen Kinder erfahrungsgemäß noch nicht zu Gemüseliebhaber*innen. Überzeugender sind da spannende Aktionen und Geschmackserlebnisse rund um die „tolle Knolle“, „Bert, den Brokkoli-Kobold“ und die „Feen-Suppe“ aus Roter Beete. Und alle haben alles mindestens probiert. „Das hätten wir so nicht gedacht, nachdem die Kinder in den Gesprächen aufgelistet hatten, was ihnen alles nicht schmeckt“, bemerkt die Primarstudierende Anna Viehl.

Dabei unterstützt das Team der „Essenskobolde“ gemeinsam mit den Handpuppen Lena, Jonas und Bert die Erzieherinnen vor Ort im Kindergarten. Die Studierenden gestalten für und mit einer Gruppe von 8-12 Kindern insgesamt fünf Nachmittage zum Thema bewusste Ernährung.

Für die Studierenden bietet die bedarfsorientiert ausgerichtete Projektinitiative die Herausforderung, sich voll auf die Kinder und ihre Bildungs- und Lernprozesse einzulassen. „Wir haben von den Kindern gelernt, dass man auf die Dinge auch anders blicken kann als wir Erwachsene es tun, und wir diese Vorstellungen mit pädagogischem Handeln verbinden können“, resümiert Nicole Schneider (Elementarbildungsstudierende). So leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zum Forschenden Lernen der Studierenden. In ihren Abschlussarbeiten (Bachelorarbeiten der Elementarbildungsstudierenden, Wissenschaftliche Hausarbeiten der Primarstudierenden) beforschen die Studierenden die Veränderung der ernährungsbezogenen Vorstellungen der Kinder. In Gesprächen mit den Kindern erheben sie das Vorwissen und die Vorerfahrungen der Kinder, auf die sie die inhaltlichen Bausteine dann abstimmen. So lernen die Studierenden, mit der Vielfalt der kindlichen Vorstellungen umzugehen und auf die Kinder individuell einzugehen. Methodisch herausfordernd und inhaltlich spannend sind dann insbesondere die Ergebnisse der Abschlussgespräche mit den Kindern, die Aufschluss über die Vorstellungen der Kinder nach der Durchführung geben.

Der erste Durchgang wurde im Januar abgeschlossen. Für Annika Pieper als Elementarbildungsstudierende war der größte Erfolg, „zu sehen, dass die Kinder etwas mitgenommen haben. Selbst beim Kindergeburtstag war es wichtig, gemeinsam Rohkost herzurichten.“

„Schade“, meint Judith Keilbach (Primarbildungsstudierende), „nun fahren wir dienstags gar nicht mehr zu den Kindern. Wir hatten uns so an die Kinder gewöhnt.“ Im März startete ein zweites Team, wieder bestehend aus vier Studierenden, mit einem weiteren Durchgang bis Mai 2018. Die neuen Bausteine werden die bisherigen Themen ergänzen und vertiefen. So werden die Kinder zu Hexen und Zauberern, die mit selbstgezogenen Kräutern und Gewürzen nicht nur Quark, sondern auch verschiedenste „Bodenschätze“ wie (Süß-)Kartoffeln, Möhren oder Sellerie in leckere Gerichte verwandeln werden.

Text: Anja Heinrich-Dönges / Jutta Sechtig
Fotos: Anja Heinrich-Dönges


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