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Kalender trifft den Nerv Oberschwabens

15.12.2019

Vorstellung des Oberschwäbischen Kalenders 2020 an der Pädagogischen Hochschule


Im Dialog mit den Machern des Oberschwäbischen Kalenders (von links): Margret Bux, Elke Mahlke, Peter Stark, Marita Künzelmann, Alfred Mühlegg, Rudolf Göggerle und Josef Schaut sprachen mit Prof. Dr. Martin Oswald von der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Bild: Claudia Wörner

Freude über den druckfrischen Oberschwäbischen Kalender 2020: Elke Mahlke (links) und Josef Schaut vom Kalenderteam des Vereins zur Förderung von Bildung und regionaler Kultur dankten Prof. Dr. Karin Schweizer, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Weingarten, für die Präsentation im Festsaal. Bild: Claudia Wörner

Unter dem Motto „mir schaffeds“ ruft der Oberschwäbische Kalender zur Erhaltung der heimatlichen Kultur bei gleichzeitiger Weltoffenheit auf. Mit dem Verkaufserlös werden soziale Projekte in Entwicklungsländern unterstützt. Foto: Verein zur Förderung von Bildung und regionaler Kultur

„Mir schaffeds“ ist der Titel des Oberschwäbischen Kalenders 2020 – ein Aufruf voller Zuversicht, heimatliche Kultur und schwäbische Mundart zu erhalten und mit Weltoffenheit und sozialem Engagement zu verknüpfen. Vorgestellt wurde der Kalender im Festsaal der Pädagogischen Hochschule (PH) Weingarten. Mitglieder des Vereins zur Förderung von Bildung und regionaler Kultur, die Kalendermacher, erzählten von seiner Entstehung. Außerdem gab Hermann Wax mit Humor und schwäbischem Mutterwitz Beispiele „Zur Etymologie des Schwäbischen“.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der die Schirmherrschaft für die Ausstellung des Oberschwäbischen Kalenders übernommen hat, schreibt in seinem Grußwort, das die Hochschulrektorin Professorin Dr. Karin Schweizer verlas: „Den heimischen Dialekt verbinden viele Menschen mit Familie, Freunden und auch mit Beständigkeit und Vertrautheit. Deshalb spreche ich gerne auch vom Dialekt als einer Art mobilen Heimat, die man überall hin mitnimmt und die einen meist nie ganz verlässt. Daher ist es wichtig, dass den Menschen, die Dialekt sprechen, mit Wertschätzung begegnet wird. Denn nur wenn die Menschen Lust haben und sich frei fühlen, Dialekt zu sprechen, lässt sich dieser kulturelle Schatz langfristig bewahren. Was es dazu braucht, sind positive Impulse. Positive Impulse, die Aufmerksamkeit für den Sprach-Schatz in unserem Land erzeugen und dazu anregen, die eigene Mundart weiter zu pflegen. Der Oberschwäbische Kalender, herausgegeben vom Verein zur Förderung von Bildung und regionaler Kultur e.V., ist in dieser Hinsicht ein ebenso gelungenes wie außergewöhnliches Beispiel“, so der Ministerpräsident weiter.

Neues Zentrum für Mundart an der PH Weingarten

„Es freut mich besonders, dass die Ausstellung des Oberschwäbischen Kalenders in diesem Jahr an der PH Weingarten stattfindet“, sagte Schweizer. Als schulisches Projekt werde der Kalender mit seinen schwarz-weiß Fotografien und Grafiken im Zusammenspiel mit passenden Texten in Mundart seit 1987 in Zusammenarbeit zwischen dem Kalenderteam des Vereins zur Förderung von Bildung und regionaler Kultur sowie von Schülerinnen und Schülern der Region erstellt. Dem Thema Mundart und Dialekt widme sich die PH unter anderem im Bereich der anwendungsorientierten Forschung zum Umgang mit Dialekt in Grundbildungseinrichtungen. „Um unsere Aktivitäten in diesem Bereich zu stärken, haben wir Anfang des Jahres das Zentrum für Mundart der PH Weingarten gegründet“, informierte Schweizer. Es ziele darauf ab, die Erfassung, Dokumentation und Erforschung von Mundarten sowie die Verwendung von Mundarten in Bildungssituationen intensiv zu fördern.

Von hoimelig bis hälinga

Im Dialog mit Professor Dr. Martin Oswald berichteten Mitglieder des insgesamt 18-köpfigen Kalenderteams von der Entstehung als echtes Schulprojekt. „Wir beginnen jedes Jahr mit vielen Fotos von Fotofachschülern aus Bad Saulgau“, erläuterte Elke Mahlke. Eben habe man begonnen, aus 80 bis 100 Fotos die Bilder für den Kalender 2021 auszuwählen. Fachleute würden die dazu passenden Texte und Gedichte zusammenstellen. „Sie treffen immer den Nerv Oberschwabens“, lobte Oswald. Auf die Frage, ob die Pflege der Mundart eine Renaissance erleben könne, entgegnete Josef Schaut, dass sich mit dem Dialekt viele Erinnerungen verbinden würden. „Er ist eine Sache der Emotion“, so Schaut. Weiter gehe es, wenn sich auch junge Leute mit der Mundart auseinandersetzen und sich mit ihr anfreunden würden. Gefragt nach ihren schwäbischen Lieblingswörtern kamen klingende Begriffe wie hoimelig, muggaseckele als kleinste schwäbische Maßeinheit, hälinga (heimlich) und mögelig (frei übersetzt: angenehm, kuschelig).

Zur Etymologie des Schwäbischen

So trocken wie der Titel des Vortrags „Zur Etymologie des Schwäbischen an ausgesuchten Beispielen“ auch klingt – der ehemalige Gymnasiallehrer und Sprachforscher Herrmann Wax aus Ehingen verstand es, humorvoll und mit viel Liebe zum Dialekt ein Loblied auf das Schwäbische zu singen. Es habe sich regelkonform aus dem Mittelhochdeutschen heraus entwickelt und sei seit etwa 800 Jahren eine eigenständige Sprache. Wurzeln finden sich auch in der lateinischen und der italienischen Sprache.

Wie die Ritterrüstung zum Gruscht wurde

Zum Schmunzeln brachte die Entstehungsgeschichte von „all bott“, gründet dieser Begriff doch auf dem Befehl des mittelalterlichen Zunftmeisters, dem Bott, der die Mitglieder zum Treffen rief. „Natürlich ärgerte sich die Metzgersfrau, wenn ihr Mann ausgerechnet am Samstagmorgen gerufen wurde und ‚all bott‘ weg war.“ Auch dass der Gruscht (Gerümpel, Schrott) auf dem Wort Rust beziehungsweise mittelhochdeutsch Gerust für Ritterrüstung gründet, dürfte den meisten Zuhörerinnen und Zuhörern neu gewesen sein. „Männer haben bis heute viel Gruscht in der Garasch“, scherzte Wax, der sich seit 63 Jahren mit der schwäbischen Mundart beschäftigt.

Kalender ist ein Gruß aus der Heimat

Der Oberschwäbische Kalender hat eine Auflage von 7500 Stück und wird als Gruß aus der schwäbischen Heimat in die ganze Welt verschickt. Die Macher des Kalenders arbeiten ehrenamtlich. So kann jährlich ein Überschuss von bis zu 15.000 Euro aus dem Kalenderverkauf an Ausbildungsprojekte in Entwicklungsländern gespendet werden.

Ausstellung an der PH

Die Motive und Texte des Oberschwäbischen Kalenders aus diesem und vergangenen Jahren sind auch noch bis zum 20. Januar 2020 im Schlossbau der PH Weingarten zu sehen. Die Ausstellung ist dort werktags von 7 bis 21 Uhr und samstags von 8 bis 16 Uhr öffentlich zugänglich. Sonn- und feiertags ist das Gebäude geschlossen.

 

Text: Claudia Wörner


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