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Bildung für eine nachhaltige Entwicklung

15.12.2019

6. Zukunftsforum Bildungsforschung an der Pädagogischen Hochschule Weingarten


Bildung für eine nachhaltige Entwicklung: Dr. Mandy Singer-Brodowski hielt die Keynote zum Auftakt des 6. Zukunftsforums Bildungsforschung an der Pädagogischen Hochschule Weingarten.

Bildung und Nachhaltigkeit standen im Mittelpunkt des 6. Zukunftsforums Bildungsforschung an der Pädagogischen Hochschule (PH) Weingarten. Ausgerichtet von der Graduiertenakademie der Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg mit ihrem Fokus auf der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung im Bereich der Bildungsforschung wurde das Thema an zwei Tagen in Vorträgen und Workshops aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich beim 6. Zukunftsforum Bildungsforschung zum Thema „Bildung und Nachhaltigkeit – disziplinäre, interdisziplinäre und transdisziplinäre Perspektiven“. Professor Dr. Wolfgang Müller, Prorektor für Forschung, Internationalisierung und Transfer, unterstrich die enge und erfolgreiche Zusammenarbeit der Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg im Rahmen der gemeinsamen Graduiertenakademie. „Die Veranstaltungen sind hochschulübergreifende Vernetzungs- und Diskussionsforen. Sie geben Raum für einen offenen Austausch.“ Das Thema Bildung im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Entwicklung treibe die PH Weingarten an. Auch hier seien Nachwuchsforscher auf diesem Gebiet aktiv. Professorin Dr. Claudia Bergmüller-Hauptmann, Moderatorin des Zukunftsforums, bezeichnete Nachhaltigkeit als zentrale Leitperspektive in der Bildungsarbeit. „Aktuell sucht man eine enge Kooperation mit der Wissenschaft und erwartet sich Impulse“, so ihr Eindruck.

Lernen in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche

Für die Keynote ist Dr. Mandy Singer-Brodowski von der Freien Universität Berlin nach Weingarten gekommen. Ihre fesselnde Rede hatte die Erziehungswissenschaftlerin unter den Titel „Bildung – Transformation – Nachhaltigkeit. Eine Reflexion über das Lernen in Zeiten von gesellschaftlichen Umbrüchen“ gestellt. Sie begann mit einem gerade mal zwei Stunden alten Post von Greta Thunberg, in dem sie im Zuge des jüngsten Klimastreiks am Freitag, der kurioserweise gleichzeitig „Black Friday“ war, deutlich machte, dass jeder gebraucht werde, um etwas zu verändern. Man könne nicht nur sagen, dass man sich kümmere. Man müsse es auch zeigen. Als Spannungsfeld umriss Singer-Brodowski das Thema Lernen in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche. „Dabei geht es immer um ergebnisoffene Gestaltungsprozesse.“ Die Brillen, mit denen wir auf die Welt schauen, würden immer dann gewechselt, wenn etwas sehr irritierend sei. Die aktuelle Klimakrise sei ein Beispiel. „Die Jugend zeigt das ganz deutlich“, so Singer-Brodowski.

Transformative Bildung ermöglicht Verständnis für Lösungsansätze

Transformation beschrieb die Erziehungswissenschaftlerin nach dem Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) als tiefgreifende Änderungen von Infrastrukturen, Produktionsprozessen, Regulierungssystemen und Lebensstilen sowie als ein neues Zusammenspiel von Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Transformative Bildung beschreibe der WBGU als Bildung, die ein Verständnis für Handlungsoptionen und Lösungsansätze ermögliche. „Dazu gehört zum Beispiel Wissen zu klimaverträglichem Mobilitätsverhalten, nachhaltiger Ernährung oder generationenübergreifender Verantwortung“, zitierte Singer-Brodowski.

Untersuchung an der Freien Universität Berlin

Auf die Frage, ob Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) respektive Erziehung eine Gesellschaft verändert könne, gebe es drei Antwortmöglichkeiten: ja, nein, denn Erziehung laufe immer hinterher, und ja aber. „Es geht eher darum, die Frage überhaupt zu stellen“, sagte Singer-Brodowski und nannte Landwirtschaft, Mobilität und regenerative Energien als Beispiele. An der Freien Universität Berlin wurden alle Bildungsbereiche mit Blick auf die Implementierung von BNE untersucht. Während sie im frühkindlichen Bildungsbereich vergleichsweise gut ausgeprägt sei, sei sie in der Schule abhängig von der politischen Steuerung. Festzustellen sei ein Qualifizierungsdefizit bei den Lehrkräften, so Singer-Brodowski. In der beruflichen Bildung sei das Vorkommen von BNE heterogen und stark abhängig vom jeweiligen Beruf. Zudem sei nicht selten ein Widerspruch zwischen ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit festzustellen. Schließlich würden Hochschulen zwischen Relevanzorientierung durch von außen an sie herangetragenen Anforderungen und bisheriger akademischer Tradition pendeln. „Nachhaltigkeit ist ein beliebtes Profilierungsthema, aber es gibt kaum didaktische Konkretisierung“, stellte sie fest.

Häufigste Emotion junger Menschen ist Sorge

Eine Online-Studie zeige vielfältige Emotionen wie Angst, Frustration, Überwältigt-Sein, Schuld, Trauer und Hoffnung im Erleben der Klimakrise. „Die häufigste Emotion junger Menschen hinsichtlich der globalen Zukunft ist Sorge.“ Festzustellen sei jedoch ein positiver Zusammenhang mit umweltbewusstem Verhalten. Dies gelte auch für umweltbezogene Bildungsaktivitäten und die Veränderung von individuellem Verhalten. Transformatives Lernen für Nachhaltigkeit sollte sich stärker mit strukturellen und kulturellen Barrieren für Wandel beschäftigen, zitierte Singer-Brodowski Boström. Als ganz praktische Beispiele auf diesem Gebiet nannte sie Repair-Cafés, solidarische Landwirtschaft und urbane Gärten.

 

Text und Fotos: Claudia Wörner


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