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Verabschiedung von Professor Dr. Werner Knapp

27.06.2019

Sprachförderung im Zentrum seiner Arbeit


Weingarten – Offiziell als Rektor der Pädagogischen Hochschule (PH) Weingarten verabschiedet wurde Professor Dr. Werner Knapp bereits im Oktober vergangenen Jahres. Siebeneinhalb Jahre hat er die Geschicke der PH gelenkt. Nun verabschiedete er sich mit einer Feier, zu der zahlreiche Weggefährten seines Berufslebens nach Weingarten gekommen sind. Bestandteil war ein Kolloquium zum Thema „Deutsch als Zweitsprache – aktueller denn je“, dem Gebiet, das im Zentrum von Professor Knapps beruflicher Tätigkeit und wissenschaftlicher Arbeit stand.

Mit Professorin Dr. Ingelore Oomen-Welke und Professorin Dr. Julia Ricart Brede gaben beim Kolloquium zwei ausgewiesene Spezialistinnen auf dem Gebiet „Deutsch als Zweitsprache“ einen Rückblick beziehungsweise Ausblick. „Nach 40 Jahren beschäftigen wir uns immer noch mit diesem Thema“, stellte Professorin Oomen-Welke fest. Lange sei der Erwerb der deutschen Sprache als Hauptmerkmal für eine gelingende Integration gesehen worden. „Heute wissen wir, dass das nicht unbedingt so ist.“ Sie beleuchtete die Migration nach Deutschland ab Kriegsende. Inzwischen habe ein Drittel der 20-Jährigen einen Migrationshintergrund. In der Vergangenheit habe es muttersprachliche Unterrichtsklassen gegeben, außerdem Initiativen, den Muttersprachenunterricht in den normalen Unterricht zu integrieren. „Vorbereitungsklassen für Migrantenkinder sind bis heute Standard und seit 2016 wieder gut gefüllt“, so Professorin Oomen-Welke.

Deutsch als Zweitsprache aktueller denn je Sie beleuchtete das Lernen in einer Zweitsprache, die erhebliche Wichtigkeit des Wortschatzes und die Bedeutung des Schreibens. Über letzteres hat Professor Knapp 1997 seine Dissertation unter dem Titel „Schriftliches Erzählen in der Zweitsprache“ verfasst. Einen Schub in vielerlei Hinsicht habe „Pisa“ für Deutsch als Zweitsprache gegeben. Professorin Ricart Brede – ihr Doktorvater war Professor Knapp – machte deutlich, dass das Fach mit der Zahl der Migrantinnen und Migranten wachse. „Es ist bedenkenswert, dass es unserem Fach gut geht, wenn es den Menschen schlecht geht.“ Ihr Wunsch sei, dass die Personen, die auf diesem Feld lehren und forschen, die richtige Haltung haben. „Für die Zukunft erhoffe ich, dass Forschungsvorhaben nicht nur von ihrer Förderfähigkeit abhängig gemacht werden“, unterstrich Professorin Ricart Brede.

Bei der Diskussion, moderiert von Professorin Dr. Heidi Rösch, stellte sich die Frage, ob Deutsch nicht besser zur Erstsprache werden sollte. Selbstverständlich sollte Deutsch gelernt werden, jedoch sei auch die Öffnung für andere Sprachen sinnvoll, entgegnete Professorin Oomen-Welke. „Der gut gesicherte Erwerb der Erstsprache ist eine gute Basis für die Zweitsprache.“ Professorin Ricart Brede sagte, dass im Kopf genug Platz für viele Sprachen sei. „Der Deutsch-Erwerb schließt die Fortführung der Erstsprache nicht aus. Sie hat auch eine identitätsstiftende Wirkung.“

Respekt für Professor Knapps wissenschaftliche Arbeit Studiendekanin Professorin Dr. Ricarda Freudenberg bescheinigte Professor Knapp bei der anschließenden Feier enormen Sachverstand, Diskussionsfreude, Arbeitseifer sowie ein immenses Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein. „Man zollt ihm großen Respekt und schätzt ihn sehr.“ In ihrer Laudatio beleuchtete Professorin Dr. Petra Burmeister Professor Knapps akademischen Werdegang. Einen guten Ein- und Überblick biete sein Schriftenverzeichnis, das ganz und gar nicht knapp sei. Neben sechs Einzelschriften sowie sechs Bänden, die er mit herausgegeben hat, hat Professor Knapp 58 Beiträge in Sammelbänden und Zeitschriften veröffentlicht. Darüber hinaus hat er die Lehrwerke Deutschprofi A und Deutschprofi B samt Arbeitsheften und Lehrermaterialien für das fünfte bis neunte Schuljahr herausgegeben. Auch die Ko-Autorenschaft in den Forschungsberichten zur Wissenschaftlichen Begleitung des Projektes „Sag‘ mal was – Sprachförderung für Vorschulkinder“ der Landesstiftung Baden-Württemberg stellte Professorin Burmeister heraus.

Aufgabenspektrum in allen Facetten wahrgenommen Sprachförderung sei ein Schwerpunk in Professor Knapps fachwissenschaftlichem und fachdidaktischem Schaffen gewesen. „Er forschte und veröffentlichte zu verschiedenen Aspekten des Erwerbs von Deutsch als Zweitsprache vor allem bei Kindern aus Sprachminderheiten.“ Dabei fuße seine wissenschaftliche Arbeit auf einem soliden Fundament aus den Erfahrungen als Lehrer, Lehrerausbilder und Berater im staatlichen Schulwesen. Ein weiterer Schwerpunkt in der Lehre Professor Knapps sei neben Seminaren zur Empirischen Unterrichtsforschung der Einsatz der Neuen Medien im Deutschunterricht gewesen. Mit Professor Knapp verabschiede sich eine hoch geschätzte Persönlichkeit, die die Geschicke der PH Weingarten besonders während seiner Zeit als Rektor gelenkt und ihr Profil entscheidend geprägt und weiterentwickelt habe. Das Aufgabenspektrum eines Hochschullehrers habe er in allen Facetten wahrgenommen und die Einheit von Forschung und Lehre praktiziert. „16 Jahre lang hat er sich mit durchgehend großem Engagement in die akademische Selbstverwaltung eingebracht“, so Professorin Burmeister.

Im Beitrag der Kolleginnen des Faches Deutsch gab es einen polyphonen Auftakt mit einem Sprachgemisch aus Italienisch, Französisch, Spanisch, Englisch, Türkisch und Schwäbisch. Sie erinnerten an das von Professor Knapp 2008 ins Leben gerufene Sprachsommercamp mit jährlich fast 50 Kindern und ließen sie per Video zu Wort kommen.

Anliegen ist Dialog zwischen Forschung und Praxis Das letzte Wort hatte Professor Knapp selbst. „Das Verhältnis von Theorie und Praxis, Forschung und Wirklichkeit, trieb mich immer wieder um“, sagte er. Dabei sei dieses Verhältnis kein ganz einfaches. Weder Lehrer noch Wissenschaftler seien im Besitz der Wahrheit. „Wir wissen immer noch sehr wenig über Bildungsprozesse und gewinnen nur punktuelle Einsichten.“ Als skandalös bezeichnete er, dass man nicht bereit sei, für Bildungsforschung wirklich Geld auszugeben. Für wichtig hält er, dass sowohl Lehrpersonen wie auch Wissenschaftler selbstbewusst seien und ihren eigenen Wahrheiten vertrauen. „Allerdings ist eine gewisse Offenheit für die jeweils andere Seite angebracht.“ Persönlich sei es ihm ein großes Anliegen, dass sich der Dialog zwischen Forschung und Praxis weiter entwickle.

„Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eines hast“, hatte Professor Knapp über die Einladung zu seiner Verabschiedung geschrieben. „Ich habe die PH losgelassen und habe jetzt Zeit für ganz andere Dinge.“ Sein Wunsch sei jedoch, mit den ehemaligen Kolleginnen und Kollegen auch weiterhin in Kontakt zu bleiben. „Ich danke allen, die zu meinem reichhaltigen und erfüllten Berufsleben beigetragen haben“, schloss er. Am Flügel und an der Trompete umrahmten Jörg Turowsky und Frieder Herrmann die Feier auf gelungene Weise musikalisch.

Text und Fotos: Claudia Wörner

 

 

 

 

 

 

 

 


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