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„Weichenstellung“ für gute Bildungschancen

Die Pädagogische Hochschule Weingarten engagiert sich in einem erprobten Förderprojekt für mehr Chancen- und Bildungsgerechtigkeit

Weingarten – Gute Bildung ist Menschenrecht und die Chance, unabhängig von Herkunft und sozialem Hintergrund, etwas aus seinem Leben zu machen. Einen wichtigen Beitrag zu mehr Chancen- und Bildungsgerechtigkeit leistet das Projekt „Weichenstellung“, das die Pädagogische Hochschule Weingarten (PH) bereits seit 2014 erfolgreich in der Bildungsregion Biberach praktiziert und das künftig auch in der Bildungsregion Ravensburg umgesetzt werden soll. „Kinder der vierten Klasse einer Grundschule mit Potenzial für eine höhere Schulbildung, aber ungünstigen sozialen Voraussetzungen werden über drei Jahre gecoacht“, berichtet PH-Professor Dr. Bernd Reinhoffer, bei dem die pädagogische Leitung des Projekts liegt. Unterstützt wird er von apl. Prof. Dr. Klaus Konrad, der an der PH Pädagogische Psychologie lehrt. „Unser Ziel ist es, die Entwicklungschancen befähigter Schülerinnen und Schüler zu optimieren“, so Reinhoffer. Der Fokus liege dabei nicht auf den Fächern, sondern auf der jeweiligen Schülerin oder dem jeweiligen Schüler, um Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl zu stärken.

„Weichenstellung“ ist ein erfolgreiches Projekt, das in Hamburg seine Ursprünge hat und dort von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius gefördert wird. Die Karl Schlecht Stiftung fördert die Umsetzung des Projekts in Baden-Württemberg. Seit Herbst 2015 werde nun auch im Landkreis Ravensburg die Projektumsetzung erprobt und durch PH-Doktorand Florian Ewald evaluiert, so Reinhoffer. Pilotkommune sei die Stadt Weingarten. Von Lehrkräften der Grundschule am Martinsberg wurden sieben Kinder der dritten Klasse benannt, die ab der vierten Klasse gecoacht werden. „Innerhalb der dreijährigen Projektlaufzeit werden sukzessive 21 Kinder gefördert“, so Reinhoffer. Aufnehmende Schule nach dem Übergang ist das Gymnasium Weingarten. Bis zum Ende der 6. Klasse am Gymnasium werden die Schülerinnen und Schüler durch sechs PH-Studierende als Mentoren begleitet. „Neben der Gestaltung von Lernumgebungen sowie der individuellen Begleitung in Lernprozessen steht diesen Schülerinnen und Schülern dann auch ein begleitendes kulturelles Programm, beispielsweise Theater- und Museumsbesuche, offen“, berichtet Reinhoffer. Und natürlich werde ein intensiver Kontakt mit den betreffenden Familien und vor allem auch den jeweiligen Lehrkräften an den Schulen gepflegt.  

Die Gesamtkoordination des Projekts liegt bei der Karl Schlecht Stiftung. Sie trägt auch die Kosten für das Coaching der Studierenden sowie für die Pädagogische Projektleitung. Die Finanzierung des begleitenden Kulturprogramms übernimmt das Regionale Bildungsbüro. Als Schnittstelle zwischen Schulen, Studierenden, PH und regionalem Bildungsbüro fungiert ein koordinierender abgeordneter Grundschullehrer mit fünf Deputats-Stunden pro Woche. „Er betreut die am Projekt teilnehmenden Schulen und Lehrkräfte sowie die PH-Studierenden an den jeweiligen Schulen, pflegt die Elternarbeit, kooperiert mit der Pädagogischen Projektleitung und koordiniert die Begleitung im Rahmen des Kulturprogramms“, so Reinhoffer. Ein regelmäßiger Austausch aller Beteiligten verstehe sich von selbst. „Die Stärke des Projekts liegt in einem funktionierenden und effektiven Netzwerk.“  

Die PH Studierenden können sich für das Projekt „Weichenstellung“ bewerben. Sie absolvieren ein Vorbereitungsseminar und schreiben eine projektbezogene Hausarbeit. „Auch das studienbedingte Praktikum kann mit dem Projekt gekoppelt werden“, so Reinhoffer. Gemeinsames Ziel sei es, das zunächst bis 2019 laufende Projekt in den beiden Bildungsregionen zu verfestigen. Dazu brauche es auch finanzielle Unterstützung von außen. „Wir haben bereits eine 8.000 Euro-Spende aus der Wirtschaft für das Projekt erhalten“, berichtet der PH-Professor.

Bundespräsident Joachim Gauck hat in seiner Rede beim Bildungstag der Zeit-Stiftung in Hamburg im November vergangenen Jahres den positiven Beitrag des Schülerförderprojekts „Weichenstellung“ zur Chancengerechtigkeit gewürdigt. Und auch Weingartens Oberbürgermeister Markus Ewald sagte beim Neujahrsempfang, er sei stolz, dass Weingarten mit dem Projekt „Weichenstellung“ in der Region eine bildungspolitische Vorreiterrolle übernehme. „Als Kommune unterstützen wir dieses Projekt nach Kräften“, so Ewald. Es gehe dabei nicht nur um Sprachkompetenz oder die Fähigkeit im Rechnen, es gebe auch eine emotionale Seite. „Die Kinder spüren: Da glaubt jemand an mich. Sie beginnen Selbstvertrauen zu entwickeln. Die Ergebnisse sind beeindruckend“, so der Oberbürgermeister.

Projekt WeichenstellungSchülerinnen und Schüler beim Experimentieren. Im Projekt Weichenstellung werden sie gefördert.

Projekt WeichenstellungEine Schülerin bei einem Ausstellungsbesuch in Bad Schussenried. Das Projekt Weichenstellung beinhaltet auch ein begleitendes Kulturprogramm.

Text: Barbara Müller
Fotos: Florian Ewald


 
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