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Mehr Chancengleichheit in Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaft

GELEFA-Fachkonferenz an der PH Weingarten befasst sich mit geschlechtergerechter Bildung

Weingarten
– Wie kann es gelingen, Mädchen für Naturwissenschaften, Technik und Führungspositionen gleichermaßen wie Jungen zu begeistern? Mit dieser Frage befassten sich etwa 120 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Schule auf der GELEFA-Fachkonferenz. Diese fand vom 4. bis 6. Februar 2016 an der Pädagogischen Hochschule Weingarten statt.
Die GELEFA-Konferenz hat sich erfolgreich zum Ziel gesetzt, neue geschlechtergerechte Konzepte und Modelle für einen Unterricht in den Naturwissenschaften, Technik und den Wirtschaftswissenschaften zu entwickeln. In über 30 Vorträgen, einem World-Café, dem Vernetzungsforum „Fisch sucht Fahrrad“, mehreren Posterpräsentationen und einer abschließenden Podiumsdiskussion konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über den aktuellen Stand der fachdidaktischen und der Gender-Forschung informieren, Erfahrungen austauschen und über neue Konzepte diskutieren.
Grundlegend ist für die Entwicklung aller Konzepte der von den Tagungsorganisatorinnen Prof. Dr. Marita Kampshoff und Prof. Dr. Claudia Wiepcke vorgestellte fachdidaktische Dreischritt Konstruktion – Rekonstruktion – Dekonstruktion hilfreich. Im ersten Schritt soll für Geschlechterunterschiede sensibilisiert werden. Bei der Rekonstruktion geht es darum, Erklärungen für diese Unterschiede zu suchen. Im letzten Schritt erfolgt die Relativierung von Unterschieden, indem zum Beispiel weitere Unterscheidungsmerkmale wie Migrationshintergrund, Schulleistung oder Alter hinzugezogen werden. Auf diese Weise entstehen für Lehrpersonen hilfreiche Anknüpfungspunkte zur weiteren Unterrichtsplanung.
Um Lehrerinnen und Lehrer nicht durch immer weitere Aufgaben zu überfordern, lässt sich Genderkompetenz in der Aus- und Weiterbildung auch in die Vermittlung von Fachwissen integrieren. Prof. Dr. Markus Prechtl von der PH Weingarten stellte diesen Ansatz in seinem Vortrag anschaulich vor. Dr. Ilse Bartosch von der Universität Wien regte an, spezifische fachdidaktische Problemfelder mit der Geschlechterforschung zu verknüpfen. Am Beispiel ihrer Disziplin, der Physikdidaktik, wären das etwa physikalische Phänomene, Nachhaltigkeit, soziale Herkunft und Geschlecht. Auf diese Weise wird auch der Gefahr entgegengewirkt, Stereotype über Mädchen und Jungen zu betonen.
Monoedukation, also die Bildung von reinen Mädchen- und Jungengruppen im Unterricht, wird von Seiten der Wissenschaftlerinnen, wie etwa Prof. Dr. Katja Kansteiner, ebenfalls PH Weingarten, eher skeptisch betrachtet. Praktiker Dr. Fritz Hasselhorn vom Gymnasium Sulingen zeigte auf, wie im Informatikunterricht die Anzahl der Mädchen, die diese Fächer im Abitur oder im Studium belegen, erhöht werden konnte. Neben der Einrichtung von Mädchenkursen erfolgte eine Umstellung des Lehrangebots. Nur hervorragende Lehrkräfte unterrichten in diesen Kursen und das gesamte Fachkollegium bemüht sich seit vielen Jahren um das gemeinsame Ziel.
Beispielhaft zeigt sich hier, wie einem Fachkräfteengpass in den sogenannten MINT-Berufen entgegengewirkt werden kann. (MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.) Es bedarf einer vereinten Bemühung von Schule, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen. Die Konferenz hat den Grundstein für diesen Weg gelegt.
Ergebnisse der Tagung und Unterrichtsmaterialien werden im Anschluss auf der Konferenzhomepage www.gelefa.de veröffentlicht.

Info:
GELEFA steht für „Geschlechtergerechte Fachdidaktik in Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaftswissenschaften“. Die Fachkonferenz wurde gemeinsam organisiert von einem Team der Pädagogischen Hochschulen in Schwäbisch Gmünd und Weingarten unter der Leitung von den Professorinnen Dr. Marita Kampshoff und Dr. Claudia Wiepcke sowie unter der wissenschaftlichen Mitarbeit von Katrin Sorge und Manfred Mohr. Gefördert wurde die Fachkonferenz durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung  (Förderkennzeichen: 01FP1419/21). Kooperationspartner ist der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen - „Komm, mach MINT.“.
Weitere Informationen: www.gelefa.de

GELEFA KonferenzEröffnungsrede. Personen v. l. n. r.: Prof. Dr. Maria Anna Kreienbaum (Bergische Universität Wuppertal), Prof. Dr. Astrid Beckmann (Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd)

GELEFAPodiumsdiskussion. Personen v. l. n. r.: Dorothee Beck (Moderation), Lisa Laur (Studentin der PH Weingarten), Gabriele Frenzer-Wolf (DGB), Brigitte Preuß (Allianz Deutschland AG), Agnes Riedel (Realschule auf dem Galgenberg, Aalen), MinRätin Dr. Birgit Buschmann (Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg)

Text: Marita Kampshoff, Arne Geertz
Fotos: Ivo Casagranda


 
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