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Mit Lesen und Vorlesen Grenzen überwinden

Programm und Workshops der Veranstaltung „Inspiration Vorlesen“ an der Pädagogischen Hochschule Weingarten stießen auf großes Interesse und durchweg positive Resonanz

Weingarten – Bücher sind out? Vorlesen Schnee von gestern? Von wegen! Dass  dem keineswegs so ist, zeigten die vielen interessierten Besucher, die zu der Veranstaltung „Inspiration Vorlesen – Vor-Lesen ohne Grenzen“ an die Pädagogische Hochschule Weingarten (PH) gekommen waren. Gerade jetzt im Winter, an dunklen und kalten Tagen, sei eine geeignete Vorlesezeit, sagte PH-Rektor Dr. Werner Knapp in seiner Begrüßung. Dass so viele Teilnehmer Interesse am Vorlesen und dem Medium Buch zeigten und sich Inspirationen dazu holen wollten, sei überaus erfreulich. Schon seit einigen Jahren biete das PH-Projekt „Leseförderung durch Vorlesen“ unter der Leitung von Professor Dr. Jürgen Belgrad diese Vortrags- und Workshop-Veranstaltung gemeinsam mit dem Regionalen Bildungsbüro an. Anlass sei der bundesweite Vorlesetag, den die Stiftung Lesen vor vielen Jahren ins Leben gerufen habe.

Das PH-Forschungsprojekt „Leseförderung durch Vorlesen“ wird seit fünf Jahren an allen Schularten – Grundschule, Hauptschule, Werkrealschule, Realschule, Gymnasium und berufliche Schulen – mit mehr als 22.000 Schülern durchgeführt, berichtete Professor Belgrad. Seit Herbst 2014 werde das Projekt von der Kita bis zum Gymnasium zusammen mit dem Bildungsbüro des Landkreises Ravensburg auch im Raum Altshausen umgesetzt. „Wir möchten in Ravensburg und im gesamten Landkreis ein Folgeprojekt initiieren“, so Belgrad.

Die Schirmherrschaft für den Vorlesetag hatte Landrat Harald Sievers übernommen. Bei so vielen Wissenschaftlern und Experten könne er als Laie thematisch nur wenig beitragen, sagte er. Daher habe er sich für das Vorlesen entschieden. Und er machte es sich nicht einfach. Als gebürtiger Nordrhein-Westfale Willy Reicherts Geschichte vom „Einschreibbrief“ mit urschwäbischen Dialogen von Häberle und Pfleiderer vorzulesen, bewies Mut und begeisterte die Zuhörer. Er versuche damit eine Annäherung an eine ihm bislang fremde Sprache, so Sievers.

Auch beim Ravensburger Buchverlag werde Vorlesen groß geschrieben, sagte Johannes Hauenstein, Stiftungsbeirat der Stiftung „Kinder fördern – Zukunft stiften“ und Geschäftsführer des Ravensburger Buchverlags. Seit vielen Jahren initiiere man mit Unterstützung der Stiftung Vorleseprojekte. Beispielsweise habe man 2006 in Grundschulen erfolgreich die Kampagne „Vorlesen“ gestartet. Und mit dem Projekt „Lesen macht Schule“ habe man weit über 5.000 Lehrer erreicht. „Wir nehmen unsere gesellschaftliche Verpflichtung ernst“, so Hauenstein weiter. Die Anfang November veröffentlichte, aktuelle Vorlesestudie belege den hohen Wert des Vorlesens. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, dass Kinder und Jugendliche, denen nicht vorgelesen wurde, deutlich mehr kognitive und sprachliche Defizite aufweisen als Kinder, denen vorgelesen wurde, berichtete Hauenstein.

Lesen und Vorlesen seien bestens dazu geeignet, Grenzen zu überwinden und Brücken zu schlagen, betonte der viel gelesene deutsche Kinder- und Jugendbuchautor Manfred Mai. Er las aus seinem Buch „In einem fremden Land“, das die Geschichte von Franziska erzählt, die mit ihrer Familie nach Rumänien zieht und dort als Fremde mit vielen Ängsten und Herausforderungen zu kämpfen hat. „Jetzt habt ihr eine kleine Ahnung davon, wie man sich in einem fremden Land fühlt“, meinte er mit Blick auf die vielen Flüchtlinge, für die Deutschland ein fremdes Land ist. Wie lebendig eine Geschichte durch gestisches Vorlesen werden kann, auch wenn der Zuhörer sprachlich nicht jedes Wort versteht, machte Christin Klipstein mit der Geschichte „Der Junge und die Flöte“ deutlich. Textreduktion und gestisches Vorlesen eignen sich bestens zur Unterstützung des Spracherwerbs, etwa bei Flüchtlingen, so ihre Botschaft. Und wie amüsant und spannend das Vorlesen durch szenische Darstellung werden kann, stellten die Schauspieler und Theaterpädagogen Jutta Klawuhn und Alex Nies mit ihrer Theaterimprovisation unter Beweis.

Dass Kinder und Jugendliche selbst die besten Vorleser sein können, zeigten fünf Gewinner des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels 2015 im Landkreis Ravensburg. „Die drei Jungs und zwei Mädchen haben mich mit ihrem Vorlesen wirklich beeindruckt“, sagte der Ravensburger Autor Manfred Kohrs. Seine Idee, die jungen Vorleser für den Vorlesetag zu engagieren, fand großen Zuspruch.    

In anschließenden Workshops erhielten die Veranstaltungsteilnehmer dann mit Jutta Klawuhn, Alex Niess und Manfred Mai Einblick in verschiedene Vorlesevarianten und konnten diese selbst erproben.

Unterstützt wurde der Vorlesetag vom Ravensburger Verlag, der Stiftung Kinder fördern – Zukunft stiften, der Kinderstiftung Ravensburg, der Stadtbibliothek, der Stadtbuchhandlung Weingarten und der Stiftung Lesen. An Informationsständen präsentierten Verlage und Institutionen Materialien und Projekte rund um das Vorlesen.

Herr Belgrad  Büchermarkt  Herr Mai

Herr Sievers  Herr Manfred Kohrs und Kinder  Herr Alex Niess und Frau Jutta KlawuhnBitte auf ein Bild klicken um dies größer zu sehen.

Text und Fotos: Barbara Müller


 
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