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Denkstätte für den studentischen Widerstand

In Weingarten tragen Studentenwohngemeinschaften jetzt die Namen der Mitglieder der „Weißen Rose“

Weingarten – „Erinnerungskultur bedeutet die Vernetzung vieler Akteure“, sagte Gerd Gerber, Vorsitzender des Studentenwerks Weiße Rose und früherer Oberbürgermeister von Weingarten, bei der Widmungs- und Einweihungsfeier am 9. November im neuen Studentenwohnheim in der Briachstraße 2. Auf den Tag genau 77 Jahre nach der vom nationalsozialistischen Regime organisierten Reichspogromnacht im Jahr 1938 wurde das neue Studentenwohnheim den Mitgliedern der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose gewidmet und offiziell eingeweiht. Angehörige der Namensgeber waren mit dabei, als die Gedenksteine an den fünf Gebäudeteilen enthüllt wurden.

Mehr als 20 Gebäude, die alle die Namen von Widerstandskämpfern tragen, gehören zum „Campus Weiße Rose“. Das Ensemble trägt nun den Namen „Denkstätte Widerstand Weingarten“. Maßgeblich zu verdanken sei dies Professor Dr. Wolfgang Marcus, dem Leiter des Denkstättensekretariats des Kuratoriums NS-Dokumentation Oberschwaben, der viele Jahre als Professor an der Pädagogischen Hochschule Weingarten gelehrt habe“, betonte Gerber. Marcus und die Kuratoriumsmitglieder hätten die Erinnerungskultur in Weingarten sehr vorangetrieben. Auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Manne Lucha bedankte sich für das große Engagement aller Akteure und verlas eine Grußbotschaft von Theresia Bauer, Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Man müsse einen harten Geist und ein weiches Herz haben, zitierte diese aus einem Briefwechsel der „Weißen Rose“-Mitglieder. Die studentischen Widerstandskämpfer hätten ihre Stimme erhoben und junge Menschen dazu eingeladen, sich mit ihnen zu identifizieren. „Ideologische Motive, christliche Überzeugung und menschlicher Anstand kommen nie aus der Mode“, so die Worte der Ministerin. Sie vertraue darauf, dass sich auch in der heutigen Zeit junge Leute kritisch und motiviert einbringen – mit hartem Geist und weichem Herzen. Menschlichkeit im Fundament des Glaubens, die Entschiedenheit und moralische Überzeugung der Weißen Rose-Mitglieder blieben ihr kulturelles Vermächtnis, sagte Professor Dr. Anselm Doering-Manteuffel, Direktor des Seminars für Zeitgeschichte der Universität Tübingen, in seinem Festvortrag. „Ihr Credo war die persönliche Freiheit“ – ein Ansinnen, das gerade auch in der heutigen Zeit nicht an Bedeutung verloren habe.   

Freude und Dankbarkeit über die Widerstandsdenkorte zeigten die Angehörigen der Weiße Rose-Mitglieder Julian Aicher (Neffe von Sophie und Hans Scholl), Stephan Weiß (Enkel von Dr. Kurt Huber), Joachim Baez (Neffe von Willi Graf), Sebastian Probst (Enkel von Christoph Probst) und Tilman Alexander Schmorell (Großneffe von Alexander Schmorell). Sie berichteten von Erinnerungen und Erzählungen ihrer Familien. An Hans Conrad Leipelt, der die „Hamburger Weiße Rose“ gründete und in der Hansestadt agierte, erinnerte Professor Marcus.

Sichtlich bewegt begleiteten die Gäste dann die feierlichen Enthüllungen der Gedenksteine. Am Christian Probst-Bau warteten Kinder der Kindertagesstätte Mullewapp mit weißen Papierrosen. „Wir haben gehört, dass dein Opa Kinder lieb gehabt hat, daher haben wir ihn auch lieb“, sagte ein kleines Mädchen zu Sebastian Probst, als die Kinder ihre weißen Rosen an die Besucher verschenkten. Beim Alexander Schmorell-Bau wurde die Widmungsfeier mit einem gemeinsamen ökumenischen Gebet beendet. „Die studentischen Widerstandskämpfer haben sich nicht gebeugt und sie haben ihren Mut mit dem Leben bezahlt“, so die Geistlichen. Dies würdigte auch ein Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche München. Alexander Schmorell, der „Heilige Alexander von München“, sei der Enkel eines orthodoxen Priesters gewesen, erzählte er und wünschte für die Mitglieder der Weißen Rose „wetschnaja pamjat'“, ewiges Gedenken.
   
In Weingarten, so Professor Marcus, werde eine gute Erinnerungskultur gepflegt. Dies zeige nicht zuletzt der Entschluss von Stadtverwaltung und Gemeinderat, bislang unbenannte öffentliche Wege in Weingarten nach Weiße Rose-Mitgliedern zu benennen. Weitere Häuser sind etwa dem regionalen Arbeiterwiderstand und jüdischem Schicksal gewidmet. Die Bronzetafeln mit den Namen der studentischen Widerstandskämpfer vereinen in ihrem Logo mit Weißer Rose und Davidstern zwei große Motivstränge: „Wir wollten bewusst die Tradition des jüdischen Glaubens mit der Weißen Rose verbinden“, so Professor Marcus. In Weingarten soll nach Kuratoriumsbeschluss ein Mahnmal des studentischen Widerstands gegen die NS-Diktatur und gegen den Stalinismus in der Sowjetischen Besatzungszone der frühen DDR entstehen. „Dort haben 70 Studierende und Demokraten ihr Leben als Opfer ungerechter Gewalt verloren“, so Professor Marcus.

Gedenktafel

Einweihung Widmungshaeuser

Einweihung Widmungshaeuser

Einweihung WidmungshaeuserBilder der Einweihungsfeierlichkeiten der Denkstätte für den studentischen Widerstand in Weingarten.

Text und Fotos: Barbara Müller


 
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