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Ist Moral lehrbar?

Experten aus aller Welt diskutieren auf Internationalem Symposium an der PH Weingarten

Weingarten
– Moral ist wie ein Klebstoff, der die Gesellschaft zusammen hält. Doch ist sie angeboren, Gott gegeben oder etwa erlernt und damit auch lehrbar? Und wenn ja, wie kann man Moral erfolgreich lehren? Um diese Frage drehte sich das 9. Internationale Symposium „Moral Competence and Education: Early Childhood and Beyond“ – auf Deutsch: Moralkompetenz und Erziehung: Frühe Kindheit und darüber hinaus – an der Pädagogischen Hochschule Weingarten.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen nicht nur aus der Region sondern auch aus anderen europäischen Ländern. Sogar aus Brasilien, Curaçao, Mexiko und den USA waren einige angereist. Initiator des Symposiums ist der Experimentalpsychologe Professor Dr. Georg Lind von der Universität Konstanz, der zusammen mit Dr. Marcia Schillinger aus dem Fach Pädagogische Psychologie und Christoph Lindenfelser aus dem Studiengang Elementarbildung von der PH Weingarten die zweitägige Veranstaltung sowie einen dreitägigen Vorbereitungsworkshop organisiert hat.
„Moralisches Verhalten ist nicht bloß eine Frage der moralischen Einstellung, sondern vielmehr eine Frage der moralischen Kompetenz“, erläuterte Lind zu Beginn der Veranstaltung, „nur ein kleiner Teil davon ist angeboren, der größte Teil muss erlernt werden.“ Mit der Konstanzer Methode der Dilemma-Diskussion (KMDD), die Lind aufbauend auf den Erkenntnissen des amerikanischen Psychologen Lawrence Kohlberg entwickelt hatte, könne die Moralkompetenz signifikant verbessert werden, so Lind. Dabei gehe es nicht um eine moralische Indoktrination, sowie es vor einigen Jahrzehnten bei dem Thema Gang und Gebe war, oder um die Vermittlung bestimmter moralischer Werte, sondern darum, Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, durch die Diskussion von schwierigen Zwangslagen, den Dilemmata, ihr moralisches Urteilsvermögen weiterzuentwickeln. „Es funktioniert wie ein Impfstoff“, erklärt Lind. Schülerinnen und Schüler würden mit einer erdachten Person konfrontiert, die in einem moralischen Konflikt steckt. Sie sollen daraufhin Argumente und Gegenargumente entwickeln. Auf diese Weise werde ihre Fähigkeit, eine moralische Entscheidung in einer realen Situation zu treffen, gestärkt.  
Dr. Lothar Kuld, Dekan und Professor aus dem Fach Katholische Theologie/Religionspädagogik an der PH Weingarten, zeigte in seinem Vortrag Parallelen zwischen der Entwicklung des moralischen und religiösen Urteilsvermögen auf. „In der Religion geht es immer um Dilemmata.“ Demzufolge sollte man Schülerinnen und Schülern vermitteln, was ein Dilemma ist und wie man es löst“, sagte Kuld. Wenn man dies täte, wäre man erstaunt über die interessanten Lösungsvorschläge, die die Kinder entwickeln würden, berichtete er aus seiner Erfahrung. Kuld verglich die Theorien zur moralischen Entwicklung von Kohlberg und zur religiösen Entwicklung des Schweizer Pädagogen und Psychologen Fritz Oser und zeigte zahlreiche Parallelen auf.
Die moralische Entwicklung und Moralkompetenz spielen auch in der Lehrerbildung, in der Erziehungswissenschaft und dem Studiengang Elementarbildung an der PH Weingarten eine Schlüsselrolle. Eine Arbeitsgruppe um Dr. Marcia Schillinger an der PH Weingarten beschäftigt sich beispielsweise mit dem Transfer von Methoden und der Ausbildung von Kindheitspädagogen, um die Entwicklung von moralischen Kompetenzen bereits bei Kindern im Vorschulalter zu fördern. Rektor Professor Dr. Werner Knapp freute sich deshalb, dass das Symposium in Weingarten stattfindet. Er verwies darauf, dass die PH und die Klosteranlage eine lange religiöse und wissenschaftliche Tradition hätten und wünschte den Gästen interessante Diskussionen und gute Inspirationen.

Literaturhinweis:

Lind, Georg. Moral ist lehrbar. Wie man moralisch-demokratische Fähigkeiten fördern und damit Gewalt, Betrug und Macht mindern kann. 3. erweiterte Aufl. Berlin: Logos. Zurzeit im Druck.

Professor Dr. Georg Lind von der Universität KonstanzProfessor Dr. Georg Lind von der Universität Konstanz stellte seine Methode der
Dilemma-Diskussion vor.

Christoph Lindenfelser und Dr. Marcia SchillingerChristoph Lindenfelser und Dr. Marcia Schillinger von der PH Weingarten organisierten das
9. Internationale Symposium zu Moralkompetenz und Erziehung vor Ort an der PH.

Professor Dr. Lothar KuldProfessor Dr. Lothar Kuld zeigte in seinem Hauptvortrag interessante Parallelen zwischen der Entwicklung des moralischen und religiösen Urteilsvermögens von Kindern auf.

Text und Fotos: Arne Geertz


 
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