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Übergang Schule / Beruf bleibt problematisch

Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis beschäftigten sich mit dem demografischen Wandel und seinen Folgen für die Ausbildung

 

Der Demografische Wandel und seine Folgen für Bildung und Ausbildung bewegt seit Jahren nicht nur Fachleute, sondern zunehmend auch eine breite Öffentlichkeit. Die Fachtagung „Demografischer Wandel und (Aus)Bildung“ fand am 13. Febr. 2014 statt. Sie wurde durch Prof. Dr. Lothar Kuld und Prof. Dr. Elisabeth Schlemmer von der PH Weingarten und von Prof. Dr. Andreas Lange von der Hochschule Ravensburg-Weingarten, sowie von Dr. Thomas König von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart organisiert. Der Rektor der PH Weingarten, Prof. Dr. Werner Knapp, begrüßte die zahlreichen interessierten Gäste aus Wissenschaft, Politik und Praxis.
Die Tagung zielte auf die interdisziplinäre Verknüpfung von Bildungsforschung, Sozialwissenschaften und Ökonomie, um die Risiken und Chancen des demografischen Wandels für die Jugend in der Berufsfindung abwägend und sachlich diskutieren zu können. Zum Auftakt waren Referenten aus Ökonomie und Soziologie geladen:


Bernd Fitzenberger, Ph.D., Professor für Empirische Wirtschaftsforschung und Ökono¬metrie an der Universität Freiburg, verbindet als Volkswirt Bildungsforschung mit Arbeitsmarktforschung. In seinem Auftaktreferat argumentierte er, dass die Jugendarbeitslosigkeit zwar zurzeit in Deutschland kein so großes Thema wie etwa in Südeuropa sei, trotzdem verweist er auf „massive Probleme beim Übergang Schule-Beruf“: Zu viele Jugendliche kämen nur auf Umwegen oder ohne Ausbildung auf den Arbeitsmarkt. Und weil das Erwerbspersonenpotenzial aufgrund demografischen Wandels langfristig stark zurückgehe, könne sich die Gesellschaft das nicht mehr leisten. Trotz der allgemeinen guten Arbeitsmarktlage hatten im Jahr 2011 1,5 Millionen Personen zwischen 25 und 35 Jahren keine abgeschlossene Berufsausbildung. Schwierigkeiten mache auch eine hohe Abbrecherquote in der Berufsausbildung. Als Gründe nennt Fitzenberger die nicht ausreichende Berufsorientierung an den Schulen. Schulen würden zu wenig auf Problemlösungskompetenz und nicht-kognitive Fähigkeiten achten. Aber Übergangsprobleme seien auch ein Problem von Suche und Matching, das heißt das Finden des jeweils passenden Ausbildungsberufs. Dazu können und müssen die Schulabsolventen gut durch die Schulen vorbereitet werden. In einer empirischen Untersuchung über „Zusatzunterricht“ für Werkrealschüler dokumentiert Fitzenberger den positiven Einfluss von Förderung der Berufsorientierung auf einen gelingenden Übergang von der Schule in den Beruf.


Aus soziologischer Perspektive referierte Prof. Dr. Wolfgang Lauterbach, der die Professur für Sozialwissenschaftliche Bildungsforschung an der Universität Potsdam inne hat. Er fokusierte Faktoren und Motive, die die Berufswahl Jugendlicher heute beeinflussen. In seinem Referat veranschaulichte er ein starkes Anwachsen von Zweitausbildungen. Gründe hierfür sind seiner Meinung nach neben karrierebedingtem Berufswechsel bei Absolventen aus dem Sekundarstufenbereich II auch Unsicherheit bei der Berufsorientierung insbesondere von Hauptschülern. Hierzu stellte er empirische Analysen zum Betriebspraktikum von Hauptschülern vor, in denen nachgewiesen werden konnte, dass neben „Orientierungswissen“ über Berufe insbesondere die Selbsteinschätzung der Eignung für einen Beruf, das heißt „Reflexionswissen“, einen nachhaltigen Einfluss des Praktikums auf die Berufsorientierung ermöglicht.


Wie entwickeln sich Berufsfelder unter den Bedingungen des demografischen Wandels? Dieser Thematik ging Dr. Gerd Zyka vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg am Nachmittag anhand von Berufsfeldprojektionen nach. Zentrales Ergebnis der Hochrechnungen bis 2030 ist: Das Feld, in welches Sozial-, Betreuungs- und Pflegeberufe fallen, wird auch zukünftig stark nachgefragt werden.


Perspektiven erziehungswissenschaftlicher Bildungsforschung und der Jugendforschung wurden schließlich anhand von ersten Thesen aus dem Forschungsprojekt „Demografischer Wandel und (Aus)Bildung“ von den Professoren Kuld, Lange und Schlemmer herausgearbeitet. Die Analysen richteten sich auf Problembereiche von Jugendlichen bei der Berufsfindung bezüglich ihrer regional differenten Mobilitätsbereitschaft und ihrer Wunschvorstellungen zur späteren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein paradoxes Ergebnis der Jugendforschung ist, dass trotz der längeren Lebenserwartung die Jugendphase aufgrund von zeitlichen Ausbildungsrestriktionen paradoxerweise „verkürzt“ wird.


Prof. Dr. Dr. hc. Claus Mühlfeld, Soziologe und Professor für Sozialpädagogik (em.) an der Universität Bamberg, verwies in einer abschließenden Replik darauf, dass historische und anthropologische Aspekte bei der Erklärung von Geburtenrückgang und der Bereitschaft zur Familiengründung in Zeiten demografischen Wandels nicht vergessen werden dürfen.


Im Rahmen der Tagung fanden zahlreiche interessante Expertengespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung statt, in denen die Herausforderungen, Probleme und Lösungen zur Thematik diskutiert wurden.

 


Text: Prof. Dr. Elisabeth Schlemmer, Arne Geertz



 
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