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Mehrsprachige Kitas: Das Potenzial voll entwickeln

Ehemaliger VW-Topmanager Hahn spricht auf Fachtag über die Herausforderungen für die Zukunft

 

Der ehemalige VW-Vorstandsvorsitzende Carl Hahn will durch mehrsprachige Kitas die Konkurrenzfähigkeit der Nation verbessern. (Klick auf das Bild für volle Auflösung)

 

Mehrsprachige Kindertagesstätten werden in der Wirtschaft zum Teil schon als eine wichtige Zukunftsinvestition angesehen, in der Gesellschaft lösen sie jedoch nicht nur Begeisterung aus, sondern treffen auch auf Ängste und Vorurteile. Um das Thema voranzubringen und Vorurteile abzubauen trafen sich Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und dem Kita-Bereich zu einem Fachtag „Mehrsprachige Kitas – Zukunftsinvestition der Wirtschaft“ am 12. Februar an der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH).


Initiiert wurde die Veranstaltung gemeinsam von Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK), den Johannitern und der PH. Als prominenten Gastredner konnte das Organisationsteam unter Leitung von Prorektorin Professorin Dr. Petra Burmeister den ehemaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Professor Dr. Carl Hahn gewinnen.

 

Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und von Kindertageseinrichtungen trafen sich an der PH Weingarten, um über das Zukunftsthema mehrsprachige Kitas zu diskutieren. (Klick auf das Bild für volle Auflösung)


Hahn hatte bereits 2007 in einem Wolfsburger Kindergarten in einem Pilotprojekt die zweisprachige Erziehung durch deutsche Erzieherinnen und englische Muttersprachlerinnen eingeführt. Auch in den Kindertagesstätten der „Saxony International School – Carl Hahn“ in Glauchau wird die zweisprachige Früherziehung praktiziert. Nun soll als zweite Fremdsprache Chinesisch dazukommen.

 

Der ehemalige VW-Topmanager macht sich ernsthafte Sorgen um Deutschlands Zukunft. Besonders in Hightech-Branchen sei Deutschland nicht mehr vertreten. Unter den weltweiten Elite-Unis seien deutsche Hochschulen weit abgeschlagen, skizzierte Hahn in seinem Vortrag die Lage der Nation. Er fürchtet, dass Deutschland von den USA, China, Indien und anderen asiatischen Nationen technologisch abgehängt werde und ein zukünftiges Dasein als eine bedeutungslose Mini-Nation mit einer überalterten Bevölkerung und einem enormen Schuldenberg fristen werde.


Die Antwort auf diese Herausforderung sei dem ehemaligen Topmanager zufolge die „Mobilisierung des Intellekts“. „Jedes Kind mit zwei Jahren kann zwei Muttersprachen lernen. Warum soll es nicht mit drei Jahren eine weitere Sprache lernen?“, so Hahn. „Wir müssen etwas tun, um das Potenzial voll zu entwickeln, das haben viele Nationen entdeckt“, mahnt der ehemalige Top-Manager und ergänzt, die Nation müsse die Kinder entsprechend fördern, denn die Kinder von heute würden ab 2040 in der Gesellschaft wirksam.

 

Prorektorin Petra Burmeister von der PH hat viele Jahre über das Thema Mehrsprachigkeit geforscht und widerlegt eine Reihe von Mythen mit Forschungsergebnissen. (Klick auf das Bild für volle Auflösung)


Doch nicht überall stößt die Vorstellung einer zweiten Sprache in der Kita auf so große Begeisterung. Prorektorin Burmeister, die seit vielen Jahren über Zweisprachigkeit forscht, listete eine Reihe von Mythen zu dem Thema auf und widerlegte diese mit wissenschaftlichen Forschungsergebnissen. So leide beispielsweise die Muttersprache nicht etwa durch die zweite Sprache. In einem Test in einer zweisprachigen Kita hätten sich die Deutschkenntnisse der Kinder nicht nur altersgemäß weiterentwickelt, sondern seien zum Teil sogar besser als in einer Vergleichsgruppe. Kleine Kinder lernen Sprachen müheloser, so Burmeister.


Wie es in einer mehrsprachigen Kita zugeht, zeigte Eva Walling, die bei den Johannitern den Fachbereich Kita leitet, am Beispiel der Kita MiniTu in Friedrichshafen. In einem Video sieht man, wie eine Erzieherin aus England mit den Kindern Experimente durchführt und bastelt, und dabei nur Englisch spricht. Die Kinder verstehen und befolgen die Fragen und Anweisungen richtig, auch wenn sie selbst Deutsch sprechen.

 

Eva Walling kümmert sich als Bereichsleiterin bei den Johannitern auch um die Einrichtung mehrsprachiger Kitas. Sie stellte Beispiele aus der Praxis vor. (Klick auf das Bild für volle Auflösung)


Walling berichtet auch über Schwierigkeiten in der praktischen Einrichtung mehrsprachiger Kitas, zum Beispiel englische Muttersprachler zu finden, die den Anforderungen des baden-württembergischen Fachkräftekatalogs entsprächen.
In einer Podiumsdiskussion mit IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Dr.-Ing. Peter Jany, Frank-Ulrich Widmaier, Direktor der Talschule, die in der Grundschule zweisprachigen Unterricht anbietet, Ingo Metzer von Rolls Royce Power Systems, Petra Burmeister und Eva Walling konnten am Nachmittag die verschiedenen Perspektiven sowie die Fragen des Publikums erörtert werden.

 

 

Text und Fotos: Arne Geertz



 
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