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Vorlesen macht Schule

16 Vorleseschulen werden im Kultusministerium ausgezeichnet – Effektive Leseförderung mit wenig Aufwand


Mehr als 10.000 Schüler haben bislang landesweit an dem Projekt „Leseförderung durch Vorlesen“ teilgenommen. Die wissenschaftliche Begleitforschung hat gezeigt, dass sich die Lesekompetenz der Schüler signifikant verbessert, wenn die Lehrerin oder der Lehrer regelmäßig drei bis viermal die Woche 10 bis 15 Minuten im Unterricht vorliest. Am Montag, 1. Juli, wurden im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg die engagiertesten 16 Schulen  des Schulamtsbezirks Stuttgart ausgezeichnet.

 
Kultusminister Andreas Stoch unterstrich die Bedeutung des Vorlesens mit einem Zitat von Erich Kästner: „Wenn ein Kind lesen gelernt hat und gerne liest, entdeckt und erobert es eine zweite Welt, das Reich der Buchstaben. … Wer lesen kann, sitzt über einem Buch und erblickt mit einem Male den Kilimandscharo oder Karl den Großen oder Huckleberry Finn im Gebüsch oder Zeus als Stier, und auf seinem Rücken reitet die schöne Europa. Wer lesen kann, hat ein zweites paar Augen...“ Angesichts des medialen Überangebotes, dem Kinder und Jugendliche heute ausgesetzt seien, sei die Frage, wie man ihnen den Zugang zur literarischen Welt der Bücher vermitteln könne. Den Lehrerinnen und Lehrern kommt dabei aus Sicht des Kultusministers eine zentrale Rolle zu. Das Projekt „Leseförderung durch Vorlesen“ biete den Schülern einen entspannten und zwanglosen Zugang zur Welt des Lesens, zudem sei das Projekt „hoch effektiv“, unkompliziert und ohne großen Materialaufwand oder Kosten in den Unterricht zu integrieren.

 
Professor Dr. Jürgen Belgrad von der Pädagogischen Hochschule Weingarten, der das Projekt leitet und initiiert hat, stellte die Grundzüge des Projekts, die wichtigsten Ergebnisse und neuesten Erkenntnisse dar. Seit 2010 wurde das Projekt an zahlreichen Grundschulen, Hauptschulen, Werkreal- und Realschulen in Baden-Württemberg durchgeführt. Bei den Schülern der Klassenstufen 2 bis 8 wurde mittels eines normierten Lesetests die basale Lesekompetenz vor Beginn des Vorlesens und dann erneut nach dem 13- bis 15-wöchigen Projekt gemessen. Im Durchschnitt aller Altersstufen sei der Lesequotient um etwa 10 Punkte gestiegen, berichtete Belgrad, dies entspricht fast einer kompletten Lesestufe von fünf möglichen.

 
Und noch einen wichtigen Effekt konnte Belgrad aufzeigen: Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler gewannen deutlich mehr Lust am Vorlesen und in der Befragung gaben sogar über 70 Prozent sowohl der Jungen als auch der Mädchen an, sie möchten nach dem Vorlesen selber lesen. Gerade vor dem Hintergrund der PISA-Studie, die gezeigt hat, dass etwa 40 Prozent aller Schüler nicht zum Vergnügen lesen, sei diese Entwicklung sehr positiv. Ebenfalls erfreulich und keineswegs selbstverständlich: Jungen profitieren vom Vorlesen fast genauso stark wie Mädchen.

 
Ministerialdirektorin Dr. Margret Ruep, die das Projekt von Anfang an mitverfolgt und unterstützt hat, ist begeistert von der Nachhaltigkeit der Leseförderung bei Kindern und Jugendlichen. Sie sieht einen Meilenstein erreicht und möchte die Idee weiter bekannt machen und weitere Teilnehmer über alle Schularten hinweg und in ganz Baden-Württemberg gewinnen.

 
16 Schulen aus dem Regierungsbezirk Stuttgart, die mit mindestens fünf Klassen an dem Projekt teilgenommen haben, wurden mit dem Zertifikat „Vorleseschule“ ausgezeichnet. Die Stiftung „Kinder fördern – Zukunft stiften“ unterstützte das Projekt finanziell und stiftete Büchergutscheine für die teilnehmenden Lehrer. Vorstand Christian Neuber ist begeistert von dem Konzept, das als solches in seiner Einfachheit so überzeugend sei, und lobt: „Der Funke springt über.“
Weitere Informationen: www.lesefoerderung-durch-vorlesen.de



 
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