Link:Zur Startseite | Logo: Pädagogische Hochschule Weingarten
 
Aktuelles
Hochschule
Studium/Lehre/Weiterbildung
Forschung
Einrichtungen/Personen
Leitung/Verwaltung
Service/Information
Link: www.ph-weingarten.de/en
 



 

Schulische Vergangenheit verrät viel über die Bildungsgegenwart

Im Forum Regionalität wurden 30 Jahre Arbeitsstelle Schulgeschichte an der Pädagogischen Hochschule Weingarten beleuchtet – Feierliche Eröffnung der historischen Schulbibliothek

 

Sprachen im Forum Regionalität über 30 Jahre Arbeitsstelle Schulgeschichte an der Pädagogischen Hochschule Weingarten (von links): Dr. Thomas Wiedenhorn, Professorin Dr. Ursula Pfeiffer-Blattner und Professor Dr. Erich Müller-Gaebele. Bild: PH (Klick auf das Bild für volle Auflösung)

 

Vor 30 Jahren wurde an der Pädagogischen Hochschule (PH) Weingarten die Arbeitsstelle Schulgeschichte ins Leben gerufen. „Die Vorgeschichte dazu begann mit der Bildungsreform in den 1970er Jahren“, berichtete Professor Dr. Erich Müller-Gaebele im Rahmen der Vortragsreihe „Forum Regionalität“, die sich dieses Mal mit der Entstehungsgeschichte und aktuellen Forschungsvorhaben der Arbeitsstelle Schulgeschichte beschäftigte. Damals, so der Gründer der Arbeitsstelle, sei der Sekundarbereich im Zentrum gestanden: „Neue Realschulen und Gymnasien entstanden, während die Zahl der Hauptschulen von 3900 auf 1350 in den Jahren 1971/72 sank.“ Vor allem die ländlichen Schulstrukturen waren betroffen. Viele Gemeinden protestierten gegen die Schulschließungen – ohne Erfolg. Eine große Zahl von Schulgebäuden stand plötzlich leer. „Die Klassenräume sahen aus, als ob Schüler und Lehrer nur in der Pause seien“, erzählte Müller-Gaebele, der damals Professor für Schulpädagogik an der PH war. Er mietete für 40 Mark im Monat das Schulgebäude in dem Horgenzeller Ortsteil Ringgenweiler an, das 1974 geschlossen worden war, und startete eine beispiellose Rettungs- und Sammelaktion. Fünf Jahre lang sei alles gesammelt worden, was die Bildungsreform übriggelassen hatte – vom Lehrerstuhl bis zum Tintenfass, erinnert er sich. „Es war klar: Das kann nur in ein Museum münden.“ Ein Schulmuseum gab es in Deutschland bislang noch nicht.

Zusammen mit Norbert Steinhauser, dem damaligen Rektor der Pestalozzischule in Friedrichshafen, der 1980 im ehemaligen Schulhaus in Friedrichshafen-Schnetzenhausen eine schulgeschichtliche Sammlung zusammengetragen hatte, gründete Müller-Gaebele 1981 das Schulmuseum in Friedrichshafen. Im März 1989 zog dieses von Schnetzenhausen in die Friedrichshafener Innenstadt um, wurde völlig neu gestaltet und um zahlreiche Themenbereiche ergänzt. Bis 2010 fungierten die beiden Gründungsväter als Museumsdirektoren. Parallel dazu nahm 1983 die Forschungsstelle Schulgeschichte an der PH ihre Arbeit auf. Zahlreiche Forschungsarbeiten wurden in Angriff genommen. So wurden beispielsweise die Lebens- und Arbeitsbiografien von fünf Volksschullehrerinnen untersucht, die im Alter zwischen 80 und 85 Jahren waren und von ihrem Lehrerinnendasein in der damals männlich dominierten Schullandschaft erzählten. Ab 1990 widmete sich die Arbeitsstelle Schulgeschichte einem Forschungsauftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zur Geschichte des Lehrerberufs 1840 bis 1972. Und auch 20 Ausstellungen zur regionalen Schulgeschichte wurden in den vergangenen 30 Jahren angeboten, darunter 1988 die Ausstellung zu dem Thema „Schulen 1933 bis 1945“, die 1995 überarbeitet und erneut gezeigt wurde, oder auch 2006/07 die Ausstellung „Kindheit in Oberschwaben“. Die schulische Vergangenheit verrate viel über die Bildungsgegenwart, betonte Müller-Gaebele und zeigte Karikaturen aus den 1970er und 1980er Jahren, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Es wäre wünschenswert, wenn sich die erfolgreiche Kooperation PH/Schulmuseum auch künftig fortsetze.

Zwischen Forschern und Befragten habe sich oft ein sehr vertrauensvolles Verhältnis entwickelt, erzählte Müller-Gaebele. Viele private Schuldokumente, Schriftstücke und Bücher wechselten dadurch den Besitzer und bildeten neben Sammelstücken die Grundlage für eine historische Schulbibliothek. Zum 30-jährigen Bestehen der Arbeitsstelle Schulgeschichte wurde die Umsignierung der Historischen Schulbibliothek in den Regensburger Verbundkatalog fertig und damit der Onlinezugang der Bibliothek feierlich eröffnet. Die Titel seien in einer Bestandsaufnahme erfasst und in 22 Fachgruppen systematisiert worden, berichtete Dr. Thomas Wiedenhorn, Geschäftsführer der Arbeitsstelle Schulgeschichte. Studierende, Lehrende und externe Forschende hätten jetzt über die Internetseite der PH einen nutzerfreundlichen Onlinezugriff auf 20.770 Medien in der historischen Schulbibliothek, so Wiedenhorn. Die erfolgreiche Forschertätigkeit in der Arbeitsstelle für Schulgeschichte werde fortgeführt, betonte die Leiterin und Prorektorin Professorin Dr. Ursula Pfeiffer-Blattner. Das aktuellste Forschungsprojekt zur 200jährigen Geschichte der staatlichen Lehrerbildung in Württemberg mit Bezug auf das 1811 gegründete erste staatliche Lehrerseminar in Esslingen stehe kurz vor dem Abschluss. Die Publikation dazu liege bereits beim Verlag. Die Geschichte der Lehrer- und Lehrerinnenbildung in Baden-Württemberg stehe weiterhin im Fokus, so die Professorin. Mögliche ergänzende Schwerpunkte bildeten dabei berufsbiographische Forschungen und Forschungen zur Geschichte des Schulsystems. Aber auch Gegenwart und Zukunft dürften nicht vergessen werden. Die derzeitigen Bildungsdiskussionen zeigten viele inhaltliche Parallelen zur früheren Bildungsgeschichte. „Die aktuelle Entwicklung ist so grundlegend wie diejenige in den 1960er und 1970er Jahren“, sagte Ursula Pfeiffer-Blattner. Es bleibe daher die spannende Frage: „Wie kommt die Gegenwart ins Museum?“



 
DruckansichtDruckansicht