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Ein neuer Sportunterricht für alle

Sportspiel-Symposium an der PH Weingarten befasst sich mit aktuellen Fragen der Sportwissenschaft, Praxis und Pädagogik

 

Um neue Spielformen im Sportunterricht, die eine bessere Teilhabe aller ermöglichen, ging es auf dem Sportspiel-Symposium an der PH Weingarten. (Klick auf das Bild für volle Auflösung)


Wer kennt es nicht aus dem Sportunterricht, früher wie heute: Zu Anfang eines Fußball-, Basketball- oder Handballspiels wählen die zwei besten oder beliebtesten Spieler ihre Mannschaft aus. Die Besten werden zuerst gewählt, dann die Mittelmäßigen. Zum Schluss, wenn kein anderer mehr übrig ist, werden die schlechten Spieler aufgerufen. Das Spiel machen dann meist auch die guten unter sich aus, die schlechten Spieler bekommen selten den Ball, laufen an der Außenlinie auf und ab, verlieren die Lust, werden zu Statisten und landen schließlich als unbeteiligte Zuschauer auf der Bank. Irgendwann lassen Sie sich dann ein Attest ausstellen und nehmen gar nicht mehr am Sportunterricht teil.


Diese typische Situation aus dem Sportunterricht schilderte Professor Dr. Michael Kolb von der Universität Wien auf dem Sportspiel-Symposium vom 26. bis 28. September an der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Er ging in seinem Hauptvortrag der Frage nach, wie eine „inklusive Gestaltung kompetitiver Team-Spiele“ aussehen kann, die allen Schülern mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen eine Teilhabe ermöglicht.

 

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Zunächst verdeutlichte der Sportwissenschaftler den grundsätzlich selektiven Charakter des Sportspiels, wie er sich auch in der Bundesliga wiederspiegelt, die „soziale Hierarchisierung“: Die Besten steigen auf, die Schlechtesten steigen ab. Im Unterschied zu einer Schulklasse spielen in einer Liga allerdings annähernd ähnlich gute Spieler mit- und gegeneinander. „Wir haben es in der Schule immer mit heterogenen (unterschiedlich zusammengesetzten, Anm. d. Red.) Gruppen zu tun. Die Frage ist, wie gehe ich damit um?“
Von Handicap- oder Vorteilsregeln hält er nichts. Damit verbunden sei eine „Etikettierung und Stigmatisierung“, es handele sich dabei um eine „demütigende Begünstigung“. Kolb verfolgt eher eine andere Idee: „Kann ich nicht die Regeln so ändern, dass sie trotzdem für alle gelten?“ Seine Vorschläge: Das Spielfeld in Zonen einzuteilen, die dann mit gleich starken Spielern besetzt werden und die diese nicht verlassen dürfen. Oder: Tore und Angriffsziele niedrig und kleinflächig gestalten und in die Mitte des Spielfelds zu legen. „Es entsteht ein völlig anderes Spiel“, so der Sportwissenschaftler. Weitere Möglichkeiten sind Aufsetzerball oder Flagfootball. Bei dieser Variante stoppe ich den Angreifer indem ich mir sein Bändchen schnappe. Durch diese Symbolhandlung kann plötzlich ein zierliches Mädchen einen großen und kräftigen Angreifer bremsen.


Inklusion, die Heterogenität zu akzeptieren, niemanden auszugrenzen und alle gleichermaßen mitmachen zu lassen, dies werde bislang noch nicht im Sportunterricht praktiziert, so Kolb. Auch die Forschung dazu sei noch ziemlich am Anfang. Er sieht aber „eine Chance, neu nachzudenken, wie wir etwas machen können, so dass alle dabei sein können“, und fordert, „wir brauchen eine Sportpädagogik der Vielfalt.“

Sportspiel-Symposium

 

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Mehr als 100 Teilnehmer aus Deutschland und den Nachbarländern waren zum 8. Sportspiel-Symposium der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) vom 26. bis 28. September an die Pädagogische Hochschule nach Weingarten gekommen. Das Symposium unter dem Motto „Sport – Spiel – Unterricht“ wurde erstmals an einer PH durchgeführt und folglich fanden auch pädagogische und Praxis-Themen Eingang in das Tagungsprogramm, welches von einem Team unter Leitung von Professor Dr. Stefan König organisiert wurde. In 15 theoretischen und praktischen Workshops hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, ihr Wissen zu erweitern und sich auszutauschen. Dazu kamen 3 Hauptvorträge sowie ein abwechslungsreiches Kultur- und Begleitprogramm mit sportlichen Highlights wie etwa Teppich-Curling.



 
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