Link:Zur Startseite | Logo: Pädagogische Hochschule Weingarten
 
Aktuelles
Hochschule
Studium/Lehre/Weiterbildung
Forschung
Einrichtungen/Personen
Leitung/Verwaltung
Service/Information
Link: www.ph-weingarten.de/en
 



 

Vorleseprojekt im ganzen Landkreis

Professor Belgrad informierte Lehrer und Eltern über Leseförderungsprojekt

 

Leseförderung durch Vorlesen: Der Theaterpädagoge Felix Strasser gab den Lehrern und Eltern eine kleine Kostprobe. (Klick auf das Bild für volle Auflösung)

 

Es klingt fast wie Zauberei: Ich lese meinen Schülern über einen längeren Zeitraum regelmäßig drei bis viermal die Woche ein paar Minuten im Unterricht vor, und wie von Geisterhand verbessert sich die grundlegende Lesekompetenz meiner Schüler. Das, was Professor Dr. Jürgen Belgrad zunächst in einer Studie mit 1800 Hauptschülern erprobt hat, macht nun Schule und soll im ganzen Landkreis Ravensburg in allen Klassen stattfinden: Leseförderung durch Vorlesen.


Im Ravensburger Schwörsaal stellte der Deutschprofessor der Pädagogischen Hochschule Weingarten interessierten Lehrern und Eltern aus dem Landkreis Ravensburg das Projekt und die Ergebnisse seiner ersten Studien vor. Demnach nahm bei den Hauptschülern der 8. Klassen der Lesequotient innerhalb eines halben Schuljahres von 90,4 auf 95,5 zu. Dieser wurde bei 1041 Schülern mittels des Salzburger Lesescreenings jeweils vor Beginn und nach Ende des Vorleseprojektes getestet. Noch eindrucksvoller waren die Ergebnisse einer zweiten Projektphase in den Grundschulen: In den zweiten Klassen betrug die Zunahme 15 Punkte, in der dritten Klasse 11,5 und in der vierten 3,2 Punkte. Realschüler der Klassen 5-8 konnten ihren Lesequotienten im Durchschnitt um 10 Punkte verbessern. In einer Kontrollgruppe, also bei Schülern, die ganz normalen Unterricht hatten, nahm hier im selben Zeitraum der Lesequotient sogar ab.


Belgrad erklärt die Ergebnisse so: „Beim Lesen passieren im Kopf zwei Dinge: Erstens das Dekodieren von Wörtern und Sätzen und zweitens das Entwickeln von mentalen Vorstellungen – das Kopfkino, wenn man so will. Beim Vorlesen können sich die Schüler ganz auf den zweiten Teil konzentrieren, dieser wird also trainiert, mit dem Effekt, dass es den Schülern später beim Selberlesen leichter fällt, sich auf das Dekodieren von Wörtern und Sätzen zu konzentrieren.“

 

(Klick auf das Bild für volle Auflösung)


Welch wichtige Bedeutung das Lesen als Schlüsselqualifikation hat, um Schülern und auch Erwachsenen einen Zugang zu vielen Informationsquellen und damit auch einen Zugang zur Welt zu eröffnen, betonte Heinz Schlumpberger, Referatsleiter im Regierungspräsidium Tübingen. Kein Wunder, dass sowohl die Schulverwaltung als auch Stiftungen, wie die Bürgerstiftung Kreis Ravensburg oder die Sonja-Reischmann-Stiftung, und regionale Unternehmen diese Idee von Anfang an unterstützt haben. Acht Staatliche Schulämter im Ländle führen das Projekt nun durch. Auch über die Landesgrenzen hinaus hat Belgrads Leseförderung durch Vorlesen großes Interesse gefunden. In Brandenburg werde das Konzept bereits in Schulen erprobt und Hamburg sei ebenfalls sehr interessiert, berichtete Belgrad.

Nach den Herbstferien soll das Projekt in allen Schulen und Klassenstufen im Landkreis Ravensburg durchgeführt werden. „Es ist ganz einfach“, sagt Professor Belgrad an die Lehrer gewandt, „Sie brauchen nichts weiter tun, als 15 Wochen lang viermal in der Woche 10 bis 15 Minuten vorzulesen.“ Wer möchte, kann darüber hinaus an dem wissenschaftlichen Programm teilnehmen. Dann müssten die Schüler jeweils zu Beginn und Ende des Projektes einen anonymen Fragebogen ausfüllen und am Lesetest teilnehmen.
Wie das Vorlesen in der Schule wirkt, davon konnten sich die Lehrer und Eltern anhand eines kleinen Films mit Schülerinterviews und anhand des Erfahrungsberichtes der Lehrerin Sabrina Graf einen Eindruck verschaffen. Graf schilderte insbesondere die positiven Nebeneffekte des Vorlesens: eine bessere Klassenatmosphäre, mehr Ruhe und Konzentration im anschließenden Fachunterricht und das Gemeinschaftserlebnis der Schüler.
Der Informationsabend zum Vorleseprojekt wurde aufgelockert durch zwei Vorlese-Kostproben des Theaterpädagogen und Regisseurs Felix Strasser. Er zog das erwachsene Publikum mit zwei in Szene gesetzten Auszügen aktueller Kinder- und Jugendliteratur in seinen Bann.


Bleibt am Ende nur noch die Frage: Was soll man lesen? Lektüretipps, Literaturlisten für alle Klassenstufen und sogar einen Lesekoffer bot die Leiterin der Kinder- und Jugendabteilung von Ravensbuch, Heike Fechter, an. Die Leseförderung sei Ravensbuch und dem Ravensburger Verlag ein „Herzensanliegen“, sagte sie.



 
DruckansichtDruckansicht