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Eine Erfahrung, die das Leben verändert

Drei deutsche Schulen im interkulturellen Austausch in Indien – PH-Delegation besucht Projektteilnehmer

 

Eine ungeteerte Straße in einem Vorort der indischen Metropole Hyderabad. Herrenlose Hunde liegen im Dreck, rechts und links der Straße einige Baustellen. Zwei Kleinbusse halten vor einem blauen Metalltor und hupen. Das Tor wird geöffnet. Im sauberen und grünen Innenhof warten indische Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrkräften. Die Schülerinnen haben sich hübsch gemacht und tragen ihre traditionellen indischen Gewänder, die Saris. Dazwischen ein paar groß gewachsene und hellhäutige Jugendliche, zumeist Jungen mit Henna-Bemalungen an den Händen.

 

Aus den Kleinbussen steigen die deutschen Gäste, eine Delegation der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Die Leiterin, Rektorin Dr. Margret Ruep, und ihre Begleiter werden mit Blumenkränzen empfangen. Nach ein paar Worten der Begrüßung stimmen die Schüler ein indisches Lied an.

 

Das Kinderheim und Behindertenzentrum in Hyderabad (Child Guidance Centre CGC) ist die letzte Station auf der knapp zweiwöchigen Indienreise der deutschen Delegation. Dort halten sich zurzeit eine Schülerin und sieben Schüler der 12. Klassenstufe der Gewerbeschule Mosbach auf. Sie wurden im Rahmen eines Wettbewerbs ausgewählt, um an dem Projekt Creating Intercultural Bonds between India and Baden-Württemberg, auf Deutsch: Schaffung von interkulturellen Verbindungen zwischen Indien und Baden-Württemberg, teilzunehmen und zu einem Austausch an ihre indische Partnerschule, das CGC, zu reisen. Von der PH Weingarten unter Leitung von Margret Ruep wird das Projekt wissenschaftlich begleitet.

 

Nach dem herzlichen Empfang findet eine Vorführung in einem kleinen gefliesten Seminarraum statt. Die indischen und deutschen Partnerschülerinnen und -schüler führen gemeinsam ein kleines Theaterstück auf. Es geht um das Leben der Behinderten in Indien. Sie gelten in Indien immer noch als Unberührbare (Dalits) und Unglücksbringer und werden wie Aussätzige behandelt, obwohl das Kastensystem per Gesetz längst abgeschafft ist. Außerdem stellen sie für ihre Eltern, die oft selbst in ärmlichsten Verhältnissen leben, eine finanzielle Belastung dar. Das CGC nimmt diese Kinder auf, bietet ihnen Unterricht, Physio-Therapie, medizinische und psychologische Betreuung. Nach der kurzen deutsch-indischen Theateraufführung folgt ein traditioneller indischer Tanz, bei dem die Schüler jeweils mit zwei Stöcken im Rhythmus gegeneinander schlagen.


Insgesamt zweieinhalb Tage erlebt die deutsche Delegation das Miteinander der deutschen und indischen Schüler. Selbstverständlich werden indische Currygerichte mit Fingern gegessen und am letzten Tag kochen die deutschen Jungs und das Mädchen Spätzle für ihre indischen Austauschpartner. Zufällig ist an diesem Tag eines der wichtigsten indischen Feste, Diwali, und es gibt ein großes Feuerwerk.

 

Varanasi, etwa 1000 Kilometer Richtung Nordosten, eine Woche vorher: In der großen Aula der Nav Sadhana School of Music and Dance (Nav Sadhana Musik- und Tanzschule) begrüßt Pater Paul D’Souza das Publikum, den Erzbischof Albert D’Souza aus der Diözese Agra und die Delegation von Margret Ruep. Nach ein paar Musikeinlagen von indischen Schülern folgt der Höhepunkt des Abends: Indische und deutsche Schülerinnen, alle in farbenfrohen festlichen indischen Gewändern, mit goldenen Armreifen, prachtvollen Ketten Ohrringen, bemalten Gesichtern, Händen und Unterarmen betreten die Bühne. Traditionelle indische Klänge werden angestimmt und die Mädchen beginnen, sich im Rhythmus dazu zu bewegen bis sie schließlich über die Bühne wirbeln. Die Gymnasiastinnen aus Bopfingen und ihre indischen Austauschpartnerinnen, die seit zwei Wochen gemeinsam unter Anleitung von indischen und deutschen Lehrern trainieren, zeigen eine beeindruckende Aufführung auf hohem tänzerischen Niveau. Auch sie wurden im Rahmen des Projekts Intercultural Bonds für den Indienaustausch ausgewählt.


Eine dritte Gruppe, Schüler der Realschule Emmendingen, befinden sich zur gleichen Zeit in Jaipur, der Hauptstadt des Bundesstaates Rajasthan, bei ihren Austauschpartnern an der privaten Seedling School, Teil der National University Jaipur. Dort besuchen und befragen sie verschiedene Wirtschaftsunternehmen um eine gemeinsame Berufsorientierung durchzuführen.


 

Interkulturelles Lernen

Die Deutsch-Indische Gesellschaft Jaipur und die PH Weingarten haben zur selben Zeit ebenfalls in Jaipur zu einem wissenschaftlichen Kongress unter der Leitung von Professorin Dr. Pawan Surana und Rektorin Dr. Margret Ruep eingeladen, in dem es um die Herausforderungen einer globalisierten Gesellschaft und das interkulturelle und transkulturelle Lernen geht. Teilnehmer sind nicht nur renommierte Professoren verschiedener Universitäten der Region, Vertreter von Schulen und Austauschstudenten, sondern auch die Realschüler aus Emmendingen und ihre indischen Partner von der Seedling School. Rektorin Ruep, Ernst Schüly vom Regierungspräsidium Stuttgart und Johannes Zylka, Doktorand an der PH Weingarten, halten dort Vorträge, in denen sie Forschungserkenntnisse zum interkulturellen Lernen und ihre interkulturellen Erfahrungen vorstellen.
Interkulturelles Lernen und die Förderung von interkulturellen Freundschaften zwischen indischen und baden-württembergischen Schülern stehen auch im Mittelpunkt des Projektes Intercultural Bonds, das von der Robert Bosch Stiftung gefördert wird. Die drei Schulen aus Bopfingen, Emmendingen und Mosbach hatten sich in einem Wettbewerb mit ihren Konzepten durchgesetzt und waren ausgewählt worden um jeweils mit 10 Schülern und zwei Lehrkräften in das andere Land zu reisen und dort gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. Das Thema des Projekts war freigestellt.


Nach dem Besuch der drei deutsch-indischen Projektteams zieht Margret Ruep Zwischenbilanz: „Ich bin zutiefst beeindruckt und berührt von dem, was ich in den Schulen gesehen habe. Unter zum Teil schwierigen Umständen haben die Schülerinnen und Schüler gemeinsam in kurzer Zeit ganz Erstaunliches geleistet. Sie haben eine enorme Offenheit und Bereitschaft gezeigt, sich auf die andere Kultur einzulassen und ich glaube, für viele wird dies eine Erfahrung sein, die ihr Leben verändert.“


Die deutsche Delegation hat in Indien außerdem zahlreiche Interviews mit den Schülern und den Programmverantwortlichen geführt um zu erfahren, wie Austauschprogramme, insbesondere mit einem so fremdartigen Land wie Indien, besser gestaltet werden können, wie interkulturelles und transkulturelles Lernen funktioniert und welche Rahmenbedingungen dafür optimal sind.

 

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Foto: Pädagogische Hochschule Weingarten
 
 
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