Link:Zur Startseite | Logo: Pädagogische Hochschule Weingarten
 
Aktuelles
Hochschule
Studium/Lehre/Weiterbildung
Forschung
Einrichtungen/Personen
Leitung/Verwaltung
Service/Information
Link: www.ph-weingarten.de/en
 



 

"Jedes Spiel braucht Regeln"

Hans Küng stellte an der PH seine Weltethos-Thesen vor

Weingarten – Der bekannte Schweizer Theologe Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Küng hat am Dienstag, 8. Juni, im Rahmen des „Studium Generale“ an der Pädagogischen Hochschule Weingarten referiert. Thema seines Vortrags war „Weltethos – Perspektiven für die Gesellschaft heute“. Mehr als 500 Gäste nahmen die Einladung wahr. Wer keinen Platz in der Aula fand, konnte dank einer Live-Übertragung die Rede im Festsaal der Hochschule verfolgen. Küng zeigte sich hocherfreut über die große Resonanz.

In seinem Referat sprach Küng über die Wichtigkeit eines gemeinsamen Ethos in Zeiten der Globalisierung. Für das friedliche Zusammenleben auf der Erde sei es notwendig, dass der menschliche Umgang miteinander sicher gestellt sei. Ethos sei keine Sittenlehre, sondern eine Tugend und persönliche Gesamthaltung, die sich an gemeinsamen Werten und Maßstäben orientiere. Der Theologe vertritt die Meinung, dass Frieden nur dann erreicht werden kann, wenn alle Menschen sich weltweit auf dieselben Moralvorstellungen berufen.
Am Beispiel der Fußballweltmeisterschaft erklärte Küng seine Weltethos-Idee: „Jedes Spiel braucht Regeln und nur durch Spielregeln entsteht Freiheit“. Nur dann, wenn Regeln einheitlich eingehalten werden würden, käme ein gutes Spiel zustande. Das lasse sich auf das Zusammenleben übertragen. Genauso wie das Prinzip von Fairplay. „Fairplay bedeutet, dass man den Gegner nicht als Feind sieht, sondern ihn in menschlicher Würde respektiert, unabhängig von seiner Rasse“.
Um die Wichtigkeit eines Weltethos zu verdeutlichen, blieb der 82-jährige beim Sport. Eine Weltmeisterschaft oder Olympia könnten seiner Ansicht nach nicht stattfinden, wenn es keine ethischen Regeln der Menschlichkeit gäbe, an die jeder Sportler sich halten muss. Interessant sei, so der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Theoretiker, dass Ethos zwar zeitbestimmt sei, es aber in jeder Kultur ethische Konstanten gäbe. Universelle Werte wie der Schutz des Lebens, des Eigentums, der Gerechtigkeit, der Wahrheit und Geschlechtlichkeit würden trotz großer kultureller Unterschiede überall gelten.
Von der Vernunft und der Moral der Menschlichkeit schlug Küng den Bogen zur Religion: „Ethische Regeln lassen sich von der Vernunft auf eine transzendente Gestalt umlegen“, so Küng. Wer sich nicht an menschliche Ordnungen halte, der sähe in der Religion eine höchste Instanz, nach der er sich richtet.
Die allgemein gültigen Vorstellungen und Regeln für Ethos leitet Küng aus den Weltreligionen ab. Diese hätten identische Normen, die über Jahrtausende eingeübt und erprobt worden seien „und dadurch die Moral legitimieren“. Es sei aber wichtig, religiöse Tradition kritisch zu reflektieren. Genau dieses müsse eingeübt werden, sagte er, „deshalb bin ich nach Weingarten gekommen“. Es sei viel pädagogische Anstrengung nötig, um Ethos zu vermitteln. „Diese anspruchsvolle Aufgabe fällt den Pädagogen zu, die schon im Kindergarten die Goldene Regel lehren sollten“. Gleichzeitig forderte er aber auch überzeugende Vorbilder in Politik und Wirtschaft und ermutigte die Zuhörer, bei der Durchsetzung eines Weltethos im Kleinen zu beginnen: „Was in einer Schule oder in einem Staat geschieht, hängt immer von Einzelnen ab und beginnt meistens im Untergrund“.

Dr. Margret Ruep, Rektorin der Pädagogischen Hochschule, lobte Küng. Er habe viel zu sagen und würde dies auf eine Weise tun, die überzeuge und begeistere. „Küng ist ein freier und zugleich leitender Geist, der Orientierung gibt“, meinte sie. Es sei eine große Ehre, ihn an der Hochschule begrüßen zu dürfen.

Eine wichtige Etappe im Lebenswerk von Hans Küng, das der Organisator des Abends, Dr. Ralf Elm, in seiner Anmoderation kurz vorstellte, ist sein Bemühen um eine offizielle „Erklärung zum Weltethos“ gewesen. Beim Parlament der Weltreligionen im Jahr 1993 gelang es auf Küngs Initiative hin, dass sich Vertreter aller Religionen trafen und sich auf das Prinzip eines gemeinsamen Weltethos einigten.

Das Studium Generale der Pädagogischen Hochschule richtet sich nicht nur an Studierende, sondern an die interessierte Öffentlichkeit und wird jedes Semester mit vier Vorträgen angeboten.

Text und Fotos: Dorothea T. Pilawa

 

Pressemitteilung vom 10. Juni 2010
 



 
DruckansichtDruckansicht