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Frühe Sprachförderung unter der Lupe

Weingarten – „Wie kann Sprachförderung gelingen?“ Unter dieser Fragestellung fand am Freitag, 5. März, eine Tagung mit etwa 180 Erzieherinnen und Erziehern an der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH) statt, die von der Stiftung Ravensburger Verlag in Verbindung mit der PH veranstaltet wurde. Dort wurden die Ergebnisse eines umfangreichen Forschungsprojektes präsentiert, das Professoren der PH durchgeführt hatten.

„Die deutsche Sprache stellt eine ganz wesentliche Voraussetzung für den schulischen Erfolg der Kinder dar“, sagte Prorektor Prof. Dr. Harald Pfaff in der Begrüßung und fuhr fort: „Es wurde festgestellt, dass eine frühe Förderung der sprachlichen Kompetenz unumgänglich ist, wenn man den Kindern gleiche Bildungschancen ermöglichen möchte.“ Vor diesem Hintergrund seien in den Kindergärten Baden-Württembergs verschiedene Sprachförderprojekte initiiert worden, die vor allem auf Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund und auf Kinder aus sozial benachteiligten Familien abzielten.

Das von der Landesstiftung Baden-Württemberg initiierte Sprachförderprogramm „Sag’ mal was“ war Gegenstand des Forschungsprojektes von Professorin Dr. Barbara Gasteiger Klicpera, Professor Dr. Werner Knapp und Professorin Dr. Diemut Kucharz. Mit Unterstützung der Landesstiftung Baden-Württemberg und der Stiftung Ravensburger Verlag haben die Wissenschaftler Untersuchungen in über 70 Kindertageseinrichtungen mit knapp 1200 Kindern in zwei Jahrgängen durchgeführt.

Zahlreiche Sprachfördereinheiten seien auf Video dokumentiert und genauestens ausgewertet worden, berichtete Professor Knapp. Dabei seien zum Beispiel die Aufmerksamkeit der Kinder, ihre Gesprächsanteile, die Länge und Komplexität der Äußerungen der Kinder, aber auch der Umgang mit Fehlern durch die Erzieherinnen untersucht worden. Durch die so genannte kontrastive Methode ließen sich in Vergleichen von ähnlichen Situationen bestimmte Vorgehensweisen ableiten, die besser geeignet seien, und solche, die weniger gut geeignet seien, erklärte Knapp.

Professorin Gasteiger Klicpera ging noch näher auf die Kinder und deren Sprachentwicklung ein, die an der Untersuchung teilgenommen hatten. Etwa 60 Prozent der Kinder in den Fördergruppen kämen aus Familien mit einfachem oder sogar doppeltem Migrationshintergrund. Ein Großteil der Eltern aus der Fördergruppe hätte darüber hinaus ein geringes Bildungsniveau. Die Sprachtests, die mit den Kindern vor und nach dem Sprachförderprogramm durchgeführt worden seien, hätten deutliche Leistungsunterschiede zwischen den Kindern der Fördergruppen und denen einer normalen Vergleichsgruppe gezeigt. Sowohl in der Fördergruppe als auch in der Vergleichsgruppe hätte man eine deutliche Verbesserung der Sprachfähigkeit über den Zeitraum von einem Jahr feststellen können, berichtete Gasteiger Klicpera, jedoch habe es keine signifikante Annäherung zwischen beiden Gruppen gegeben.

Was dies nun für die frühkindliche Sprachförderung bedeutet, stellte Professorin Kucharz dar: Die Ergebnisse würden dafür sprechen, mit der Sprachförderung schon früher zu beginnen, nicht erst im Vorschulalter. Auch die Rahmenbedingungen, wie etwa Gruppengröße und Dauer des Förderzeitraums, müssten verbessert werden, um den gewünschten Erfolg zu erreichen, so die Professorin weiter. Darüber hinaus bräuchte man umfangreichere Weiterbildungsmöglichkeiten für die Erzieherinnen, die in der Sprachförderung tätig sind, denn sie bräuchten genauere Kenntnisse im Bereich des Zweitspracherwerbs, der individuellen Förderplanung und der didaktischen Gestaltung von Sprachfördereinheiten.

Ein wichtiges Anliegen der Stiftung Ravensburger Verlag war es, die gewonnenen Erkenntnisse des Forschungsprojektes in die Praxis weiterzugeben. Dazu leistete die Tagung mit ihren Workshops für Erzieherinnen und Erzieher einen wichtigen Beitrag. Darüber hinaus haben die Professoren die wichtigsten Ergebnisse in dem praktischen Handbuch „Sprache fördern im Kindergarten“ zusammengefasst und für den Alltag im Kindergarten aufbereitet. Das Buch wurde von der Stiftung Ravensburger Verlag finanziert und allen Tagungsteilnehmern kostenlos zur Verfügung gestellt.

Literaturhinweis:
Werner Knapp/Diemut Kucharz/Barbara Gasteiger Klicpera: Sprache fördern im Kindergarten. Umsetzung wissen¬schaftlicher Erkenntnisse in die Praxis. Beltz Pädagogik (Stiftung Ravensburger Verlag) 2010, 167 Seiten. Preis 26,95 €.

Pressemitteilung vom 09.03.2010



 
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