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„Menschen eine zweite Chance geben“

Weingarten – Erstmals gibt es in Deutschland einen Masterstudiengang zur Alphabetisierung und Grundbildung. An der Pädagogischen Hochschule in Weingarten wurde der neue Studiengang am Freitag, 16. Oktober, mit einer Feier eröffnet. Zu Gast waren neben den Studienanfängern auch hochrangige Experten aus der ganzen Bundesrepublik.

Mindestens vier Millionen funktionale Analphabeten leben in Deutschland, sagte Prorektor Professor Dr. Harald Pfaff in seiner Begrüßungsrede. Dies sei für eine Industrienation, die in hohem Maße auf die Qualifikation ihrer Bürger angewiesen ist, ein untragbarer Zustand. „Das können wir uns nicht leisten, und das wollen wir uns nicht leisten“, so Pfaff weiter. „Um Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche eine zweite Chance zu geben, dafür brauchen wir Fachpersonal.“

Gundula Frieling, stellvertretende Direktorin des Deutschen Volkshochschulverbandes, schilderte die Situation der vielen Kursleiter an den Volkshochschulen, die mit großem persönlichen Engagement und sozialer Kompetenz Erwachsenen und Jugendlichen das Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen. Diese hätten sich bislang ihre Kenntnisse größtenteils selbst aneignen müssen. Fortbildungen gebe es nur punktuell und auch geeignetes, erwachsenengerechtes Lehrmaterial sei Mangelware. Von dem neuen Masterstudiengang erhofft sich Gundula Frieling eine Professionalisierung und eine Aufwertung dieser Arbeit.

Grüße aus Berlin von Bundesbildungsministerin Annette Schavan überbrachte Oliver Lübke, stellvertretender Leiter des Referates Strukturen und Entwicklung der Weiterbildung im Bundesministerium für Bildung und Forschung, das mit seiner Förderung maßgeblich zur Entwicklung des Studiengangs beigetragen hat. Lübke freute sich über die Fortschritte im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung. Diese Themen hätten nun Eingang in Universitäten und Hochschulen gefunden, wo sie ausführlich und wissenschaftlich erforscht würden.
„Wir sehen damit einen Meilenstein der Erwachsenen-Alphabetisierung erreicht“, sagt Dr. Ulrich Steuten, Vorstandsmitglied im Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung. Er schilderte den langen Weg, den die Pioniere auf diesem Gebiet seit Anfang der siebziger Jahre gegangen seien. Erst in den Achtzigern sei das Problem Analphabetismus überhaupt ins öffentliche Bewusstsein gedrungen.

„Woran sind die Menschen gescheitert, die in den Alphabetisierungskursen sitzen?“, fragte Studiengangsleiterin Professorin Dr. Cordula Löffler und gab auch gleich ein paar Antworten. Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten (LRS) hätten oft eine eingeschränkte Sprachbewusstheit und auch häufig sprachliche Auffälligkeiten. Ihnen sei es nicht gelungen, Regeln oder Struktur in der Sprache zu entdecken. Zudem hätten sie auch oft negative Lernerfahrungen gemacht. Und obwohl jüngere Grundschullehrer in der Regel in der Diagnose von LRS und dem Umgang damit gut ausgebildet seien, hätten diese in den großen Schulklassen nicht die Möglichkeit zur individuellen Förderung, die diese Leute bräuchten. Haupt- und Berufsschullehrer seien auf diese Problematik gar nicht vorbereitet. Jährlich würden 80.000 Jugendliche die Schulen ohne Abschluss verlassen, berichtete Cordula Löffler.

Der berufsbegleitende Masterstudiengang Alphabetisierung und Grundbildung wendet sich an alle Lehrkräfte, die in diesem Bereich tätig sind, das sind vor allem Dozenten an Volkshochschulen, Lehrer an Volkshochschulen, Haupt- und Berufsschulen sowie Soziologen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Psychologen und Pädagogen. Er bietet ihnen eine umfassende wissenschaftliche Weiterbildungsmöglichkeit in diesem Bereich.

Weitere Informationen: www.ph-weingarten.de/stag


Pressemitteilung vom: 21.10.2009



 
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