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„20 Jahre Mauerfall – ein Fall für die Kunst?“

Weingarten – Sie machen nachdenklich, die Bilder, die derzeit in einer Ausstellung im Kultur- und Kongresszentrum Weingarten zu sehen sind. Handwerklich und künstlerisch eindrucksvolle Radierungen und Lithographien tragen Namen wie „Traum des Kindes zwischen Leichenhügeln“, „Subversiver Ofen“ oder „Gefängnishof“. Ein anderes Bild zeigt einen Menschenkopf – als Jagdtrophäe gemalt und mit schweren Ketten durch die Nase. „Die Bindung des Bürgers an den Staat“ lautet sein Titel. Es sind Werke von Roger Loewig und Sieghard Pohl –– zwei unbequemen und damit ungeliebten Künstlern aus der ehemaligen DDR.

Die Werke dieser beiden Künstler stammen aus der Sammlung von Brigitte Kienzle aus Kornwestheim, die zusammen mit Professor Dr. Martin Oswald von der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH) die Ausstellung gestaltet hat. Mit einer Grafikedition von zwölf weiteren DDR-Künstlern, die aus Anlass des Mauerfalls vor 20 Jahren entstand, werden die Loewig- und Pohl-Werke noch bis 9. November in der Ausstellung „20 Jahre Mauerfall – ein Fall für die Kunst?“ gezeigt. Der Ausstellungszeitraum vom Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober bis zum Mauerfall-Termin 9. November sei bewusst gewählt worden, berichtet Oswald. „Mit dem Ausstellungsprojekt der PH möchten wir dokumentieren, dass gut ausgebildete und engagierte Künstler mit demokratischem Anspruch im DDR-Staat lebten und zu Opfern wurden, weil sie in ihrer Kunst ihren individuellen Weg suchen und finden wollten“, so der PH-Kunstprofessor. Große Unterstützung erfuhren die beiden Kuratoren durch die Stadt Weingarten und deren Kulturamtsleiter Dr. Peter Hellmig.

Der Künstler Roger Loewig wurde 1930 im heutigen Strzgegom (Polen) geboren und war nach einem Pädagogikstudium als Lehrer an Ostberliner Schulen tätig. Aufgrund einer ersten Ausstellung seiner Werke in privaten Räumen wurde er 1963 inhaftiert, nach seiner Haftentlassung 1964 war er unter äußerst schwierigen Bedingungen als freischaffender Graphiker tätig. 1972 siedelte Loewig in den Westen über. 1992 wurden Arbeiten von ihm im Staatlichen Museum Auschwitz gezeigt. Es war dies die erste Ausstellung eines deutschen Künstlers im ehemaligen Vernichtungslager. Am 4. November 1997 starb Loewig in Berlin. Sieghard Pohl wurde 1925 in Breslau (Polen) geboren. Nach seinem Studium an der Karl-Marx-Universität in Leipzig war er bis zu seiner Inhaftierung 1961 als Kunsterzieher tätig. Nach einer Tätigkeit als freischaffender Künstler in den Jahren 1962/63 wurde Pohl erneut inhaftiert, 1965 von der Bundesrepublik frei gekauft und aus der Haft nach West-Berlin entlassen. Dort verstarb er 1994.

„Beide Künstler waren starke Persönlichkeiten“, betont Oswald. Neben ihren Bildern sind in Weingarten auch Verhörprotokolle ausgestellt, in denen „von der objektiven Tatseite her“ der Vorwurf „staatsgefährdender Propaganda und Hetze“ laut wird. Beide Künstler haben sich auch mit Worten an die Öffentlichkeit gewandt: So wurden von Roger Loewig auch dessen Gedichte sehr geschätzt und die literarischen Veröffentlichungen von Sieghard Pohl haben einen hohen Bekanntheitsgrad. Bei der Finissage der Ausstellung am 9. November werden Professor Oswald und Brigitte Kienzle aus den Werken der beiden Künstler lesen.

INFO: Die Ausstellung „20 Jahre Mauerfall – ein Fall für die Kunst?“ ist noch bis 9. November im Kultur- und Kongresszentrum Weingarten zu sehen. Bei der Finissage am Montag, 9. November lesen die beiden Kuratoren Professor Dr. Martin Oswald und Brigitte Kienzle um 19 Uhr aus literarischen Werken der beiden Künstler.

Pressemittelung vom 20.10.2009

 
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