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Jugendliche verlieren Vertrauen ins politische System

Hermann erforschte politische Weltbilder von 13- bis 18-Jährigen

 

Weingarten – Der Wahlkampf läuft zurzeit auf Hochtouren. Die politischen Parteien bemühen sich intensiv darum, Wähler zu mobilisieren. Unterdessen zeigt eine neue Forschungsarbeit, wie stark Jugendliche, also die künftigen Wähler, bereits das Vertrauen ins politische System verloren haben.

„Das Systemvertrauen bei Jugendlichen ist deutlich rückläufig. Eine Mehrheit der Forscher ist der Meinung, dass dies mittlerweile ein Ausmaß angenommen hat, das systemgefährdend ist“, berichtet Privatdozent Dr. Michael Hermann von der Pädagogischen Hochschule Weingarten, der in seiner kürzlich erschienenen Habilitationsschrift über mehrere Jahre die Auswirkungen von Wahlkämpfen auf Jugendliche in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Russland untersucht hat.

Hermann hat für seine Arbeit „Politische Weltbilder Jugendlicher in der Mediendemokratie: eine interdisziplinäre Analyse am Beispiel von Wahlkampfkommunikation“, 2009 erschienen im Klinkhardt-Verlag, rund 12.000 Interviews mit 7700 Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren geführt und ausgewertet. Dabei wurden die Befragungen während mehrerer Wahlkämpfe durchgeführt. Durch den international vergleichenden Ansatz konnte er dabei auch nationale und kulturelle Besonderheiten herausfiltern.

Der Vertrauensverlust bei den Jugendlichen macht sich bemerkbar durch eine sinkende Bereitschaft, sich politisch zu engagieren, durch steigenden politischen Zynismus und durch eine Abwendung vom Geschehen auf der politischen Bühne, berichtet Hermann.

Als weitere Ergebnisse seiner Forschungsarbeit hält er fest: „Die politischen Weltbilder Jugendlicher werden sehr stark durch die Massenmedien geprägt. Die Bedeutung der Schule, aber auch der Familie für die Bildung politischer Einstellungen hat dagegen sehr stark abgenommen. Die Weltbilder werden auch entgegen bisheriger Ansichten bereits sehr früh in der Biographie der Jugendlichen konstituiert und verfestigen sich mit zunehmendem Alter.“

Deutliche Spuren – und zwar im negativen Sinne – hinterlassen dabei die Wahlkämpfe. Bei etwa 20 Prozent der Jugendlichen stellt sich im Laufe eines Wahlkampfes eine wesentliche Verschlechterung der Weltbilder ein, hat der Soziologe und Politologe herausgefunden. Diese besteht nach dem Wahlkampf fort und manifestiert sich. Hermann erklärt das so: „Im Wahlkampf erleben die Jugendlichen, dass ihnen die Politiker vieles versprechen. Hinterher stellen sie dann ernüchtert fest, wie viel von diesen Versprechen eingelöst wird. Auf diese Weise verspielt der Wahlkampf Vertrauen in die Politik und erodiert das politische System.“

Den entscheidenden Einfluss auf die politischen Weltbilder der Jugendlichen haben der Studie zufolge die Massenmedien. Interessant ist, dass dabei nicht so sehr die Art und Weise, wie über Politik in den Nachrichten berichtet wird, eine Rolle spielt, sondern vielmehr die Abwesenheit von Politik in weiten Teilen der Programme, zum Beispiel den Daily Soaps, und in Shows wie zum Beispiel „Deutschland sucht den Superstar“. „Gerade das Unpolitische hat eine starke Wirkung auf die Jugendlichen“, berichtet Hermann. Eine solche versteckte politische Sozialisation – Fachleute nennen das latente Sozialisation – habe oft viel größere Wirksamkeit als die manifeste, die beispielsweise im Gemeinschaftskundeunterricht stattfindet.

 

Pressemitteilung vom 03.09.2009



 
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Foto: Pädagogische Hochschule Weingarten