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„Der Faktor Lehrkraft ist überaus bedeutsam“

Weingarten – „Wir brauchen gute Lehrer, denn der Faktor Lehrkraft ist überaus bedeutsam“, sagte Professor Dr. Udo Rauin von der Universität Frankfurt. Mit ihm, einem ausgewiesenen Experten im Bereich „Empirische Schul- und Unterrichtsforschung, sowie mit Professor Dr. Johannes Mayr von der Universität Klagenfurt war es der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH) gelungen, zwei hochkarätige Referenten für den Hochschultag 2008 zu gewinnen, der sich mit dem Thema „Welche Lehrer brauchen wir?“ beschäftigte.

Es habe sich gezeigt, dass durch Strukturreformen und Lehrplanungen die Unterrichtsqualität nicht zu beeinflussen sei, betonte Rauin. „Die Qualität der Lehrkräfte ist und bleibt das A und O.“ Durch Beobachtungen der Studienverläufe an Pädagogischen Hochschulen und der Übergänge in den Lehrerberuf seien wichtige Indikatoren für die Qualität eines Lehrers festgestellt worden. Untersucht worden seien die vier Faktoren „Berufswunsch und Motivation“, „Selbsteinschätzung der eigenen Eignung“, „Persönlichkeitsmerkmale“ und „Selbsteinschätzung des Studienerfolgs“. Bei „Berufswunsch und Motivation“, so Rauin, hätten sich drei Gruppen herauskristallisiert. Pädagogen, die gerne Jugendarbeit machen und sich mit Freude und Engagement für den Lehrerberuf entscheiden; Pädagogen, die aus pragmatischen Gründen – kurzes Studium, Arbeitsplatzsicherheit – den Lehrerberuf wählen und solche, die eher hedonistisch orientiert sind und am Lehrerberuf vor allem die viele Freizeit für eigene Ideen schätzen.

Die Erhebungen wurden an drei Pädagogischen Hochschulen durchgeführt. Befragt wurden 1200 Studienanfänger, 670 Studierende, 350 Absolventen und 320 Lehrer. Die Pädagogen aus der „riskanten Gruppe“, wie Rauin sie nannte, die aus eher hedonistischen Erwägungen den Lehrerberuf gewählt hatten, bewerteten in ihrer Berufslaufbahn fast alle Bereiche negativ. „Sie gehörten nach kurzer Zeit zu den ausgebrannten Lehrern“, so der Frankfurter Professor. Die „engagierten“ Pädagogen, die sich aufgrund starker pädagogischer Motive für ein PH-Studium entschieden hatten, lagen auch nach einigen Jahren noch überwiegend oben auf. Von den „Pragmatikern“ war ein Großteil bereits im Studium ausgestiegen. Lehrer seien nicht selten von dem so genannten beruflichen „Burn out“ betroffen – auch dies bestätigten die Erhebungen. In der „riskanten“ Gruppe bewerteten sich 62,5 Prozent der Lehrkräfte bereits nach vier Jahren als „ausgebrannt“, bei den „engagierten“ Lehrern 21,9 Prozent und bei den „pragmatischen“ 15 Prozent. Als Tipp für die Unterstützung angehender Pädagogen empfahl Rauin: „Keine falschen Anreize, aber Entwicklung und Aufstieg ermöglichen. Ich vermute, es gibt bei vielen Menschen Potenziale, die brach liegen.“

Die Aussagen Rauins bestätigte auch Professor Dr. Johannes Mayr, der sich mit Evaluierung und Auswahlverfahren beschäftigt. Reifezeugnis, Intelligenz- und Kreativitätstest, Sprachgestaltung und Verhalten seien wichtige Kriterien für das Auswahlverfahren. Die hochschulische Lehrerausbildung könne letztlich aber nur eine gewisse Berufsvorbereitung leisten. Mayr: „Manche Lernerfahrungen sind vermutlich erst im Beruf selbst oder in der berufsbegleitenden Fortbildung möglich. Persönlichkeitsmerkmale, so der Klagenfurter Professor, seien für das Verhalten und Erleben im Lehrerberuf bedeutsam und blieben im Allgemeinen über lange Zeiträume hinweg weitgehend konstant. Sie könnten daher als Grundlage für Laufbahnentscheidungen verwendet werden.

Pressemitteilung vom: 30.11.2008

 
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