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Rotkäppchen ein verkiffter Drogendealer?

Weingarten – Im Saal des Theaters Ravensburg drängt sich das Publikum. Ersatzstühle werden herbei getragen, Treppenstufen werden als Sitzgelegenheiten genutzt, während die Rote Zora vor dem Vorhang auf einer Leiter sitzend und in ein Buch vertieft den Zuschauern nur ab und an prüfende Blicke schenkt. „Ich habe mächtig Lampenfieber“, gesteht eine Biene, die noch kurz vor Spielbeginn ihre Flügel ordnet und ihre Aufregung an der frischen Luft in den Griff zu bekommen versucht. Sie ist eine von 36 Studierenden des Faches Deutsch an der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH), die ein facettenreiches Stück rund um die Kinderhelden aus vergangenen Tagen geschrieben und unter der Leitung von Jutta Klawuhn einstudiert haben. Zum ersten Mal gelangt damit ein Stück der PH-Theaterbühne zur Aufführung im Theater Ravensburg. „Die Bullerbüs vom Bahnhof Zoo“ ist es überschrieben.

„Wir spielen kein typisches Theaterstück, sondern eine Folge von selbständigen Szenen“, berichtet Carina Hirschle. Gemeinsam mit Julia Zöllner und Katrin Vetter hat sie die Öffentlichkeitsarbeit für das Theaterprojekt übernommen. Dieses werde an der PH im Fach Deutsch in jedem Semester als praktisches Modul angeboten, berichtet sie. In diesem Wintersemester nehmen 31 Frauen, drei Männer und zwei Gaststudentinnen aus dem türkischen Adana daran teil. „Mit so vielen Leuten ist die Theaterarbeit nicht ganz einfach“, sagt Jutta Klawuhn. Die Schauspielerin und Theaterpädagogin ist über das Theater Ravensburg in eine Kooperation mit der Hochschule eingestiegen und leitet seit einigen Semestern das erfolgreiche PH-Projekt. „Die Studierenden haben die Szenen selbst entwickelt“, erzählt sie. So frei wie in diesem Semesterprojekt seien die Teilnehmer noch nie gewesen. „Es ist einiges anders geworden, als wenn ich es selbst gemacht hätte, aber das ist gerade reizvoll“, sagt sie. Die Studierenden schrieben nicht nur die Texte selbst, sie kümmerten sich auch um die Choreographie, die Kostüme, die Technik, um aktuelle Fotos, den Programmflyer und vieles mehr. „Wir haben verschiedene Organisationsgruppen gebildet“, sagt Julia Zöllner. „Es war zwar stressig, hat aber riesig viel Spaß gemacht.“ Dann entschwindet das Presseteam wieder, um wenig später als Hänsel und Gretel auf der Großstadt-Bühne Berlin aufzutauchen und „a neie Mama ond a neia Baba“ zu suchen.

Doch nicht nur das: So einige Märchen und Geschichten scheinen im Theater Ravensburg aus den traditionellen Fugen zu geraten. Da entpuppt sich doch das Rotkäppchen tatsächlich als verkiffter Drogendealer, versumpft der Peter auf der Suche nach seiner Heidi an der Taka-Tuka-Bar, rezitieren Pumuckl und Meister Eder auf einem Schaf reitend eine modernisierte Form des legendären Erlkönigs und versucht Frau Holle das Aschenputtel zu resozialisieren. Im Nu gewinnt „Bienerich“ Willi alias Tobias Fink die Herzen der Zuschauer, als „der dicke Brummer“ seine Ess- und Schlafpausen unterbricht, um das „Biene-Maja-Lied“ zu singen. Während Pippi Langstrumpf mit ihren Freunden noch durchs Taka-Tuka-Land tobt und Max und Moritz schon wieder einen neuen Streich planen, versteigert die Rote Zora im Publikum eine Gabel, einen Krautkopf und einen etwas aus der Mode gekommenen Slip nebst Ringelsocken. Ausgerechnet zwei PH-Professoren machen bei der Versteigerung das Rennen. „Na die scheinen’s nötig zu haben“, schmunzeln einige Akteure.

Texte und Darstellung der Szenen sind so originell, dass sie kein exklusives Bühnenbild benötigen. Lediglich drei verschieden hohe Treppenpodeste dienen neben der Taka-Tuka-Bar als Bühnenmöbel – mal als Taxi, mal als Bahnsteig oder auch als Sitzgelegenheit genutzt. Als zum turbulenten Finale dann auch noch Winnetou auftaucht und das Publikum ermuntert, auf eine bessere Welt zu warten, ist die Begeisterung perfekt. „Ich könnte denen noch viel länger zuhören“, seufzt eine Theaterfreundin. Sie steht mit ihrer Meinung nicht allein.

Pressemitteilung vom: 23.01.2008

 
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