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Jugendliche schätzen traditionelle Werte

Weingarten – Der Satz: „Du musst die Jugend bewältigen“, gelte für alle Menschen, gab Professor Dr. Richard Münchmeier von der Freien Universität Berlin bei seinem Festvortrag an der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH) zu bedenken. Der profilierte Jugendforscher und Mitautor der Shellstudie war zu Gast beim ersten Dies academicus der Hochschule, dessen Teilnehmer sich mit Fragen zur heutigen Bildungslandschaft beschäftigten.

Älter werden bedeute nicht, dass die Jugend auch genutzt wurde, betonte Münchmeier. Die Gesellschaft entbinde Jugendliche zwar von der Erwerbsarbeit, diese müssten aber mit ihren Lebensbedingungen zurechtkommen, die Schule erfolgreich bewältigen und mit dem oft raschen Wandel ihrer Lebenslage fertig werden. Steigender Leistungs- und Erfolgsdruck, Sorgen über das Arbeitsplatzangebot oder Angst vor sozialen Notlagen prägten die heutige Jugend. Eine wichtige Rolle spiele daher die Familie, in der Jugendliche aufwachsen – unabhängig von ihrer Form. In einer Umfrage hätten Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren zu 56 Prozent geäußert, dass sie genauso erziehen würden wie die eigenen Eltern, berichtete Münchmeier. 15 Prozent hätten sich zu einer ähnlichen Erziehungsweise bekannt. „Es gibt eine unglaubliche Übereinstimmung“, so der Jugendforscher. Nicht unterschätz werden dürfe auch der Stellenwert familiärer Bezugspersonen. Mutter, Vater und Geschwister rangierten in der Werteskala Jugendlicher weit oben. Münchmeier: „Junge Leute sind auf die Eltern angewiesen. Sie sind das Geländer der Lebensführung.“

Während 1965 bereits 42 Prozent der Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren in Erwerbsarbeit gewesen seien, gingen heute 76 Prozent dieser Altersgruppe noch zur Schule. 73 Prozent der 18- bis 25-Jährigen lebten noch bei den Eltern. „Das ist aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht vernünftig“, betonte Münchmeier. Allerdings müssten dann neue Strukturen gefunden werden. Jugendliche und Eltern müssten sich gegenseitig respektieren und auch abgrenzen. „Kein Hotel Mama, sondern eine gut funktionierende Wohngemeinschaft, in der jeder seine Rechte und Pflichten hat.“ Auch bei den heutigen Jugendlichen spielten Werte wie Familie oder Treue zum Partner eine große Rolle. 87 Prozent sowohl der Jungs wie auch der Mädchen strebten eine eigene Familie mit Kindern an. „Ob sie diese Werte aber auch tatsächlich leben können, wird heute zur zentralen Frage“, so Münchmeier.

Die Familie bleibt nach Einschätzung Münchmeiers auch der zentrale Bildungsort Jugendlicher in einer heterogener werdenden Bildungslandschaft. „Die Schule muss Familie voraussetzen“, so Münchmeier. Sie brauche Partnerschaft, nicht nur Kritik, gab er in der anschließenden Diskussionsrunde mit Bildungsexperten zu bedenken. Ein tragendes Bildungsnetzwerk mit vielen Akteuren zur Qualitätsentwicklung und Optimierung der Lehr- und Lernsituation forderte Dr. Bettina Müller vom Regionalen Bildungsbüro Ravensburg. „Wir müssen uns Gedanken machen, was alles in ein Lehramtsstudium aufgenommen werden muss, um den Anforderungen gerecht zu werden, die Lehrer heutzutage zu bewältigen haben“, sagte PH-Rektor Professor Dr. Jakob Ossner und forderte mehr sozialpädagogische Elemente. Bis heute gebe es keine Ausbildung, „wie man den Schulalltag managt“. Nicht die Hochschule allein könne die Studierenden aber dazu befähigen, so der Rektor weiter. „Es sind viele Partner gefordert. Es geht um Offenheit und Interdisziplinarität.“

Nicht nur mehr pädagogisches Wissen, auch die Betreuung und Begleitung in allen Schularten und auch im vorschulischen Bereich seien wichtig, so Schulpräsidentin Dr. Susanne Pacher vom Regierungspräsidium Tübingen. Starke Persönlichkeiten seien als Lehrer und Erzieher gefragt. „Sie müssen auch bei Ungewissem handlungsfähig sein“, so Dr. Pacher. Über die Unterrichtsinhalte müsse gleichfalls gesprochen werden. Es gelte neue Spielräume zu schaffen. „Es sollte mehr Augenmerk auf die Wirksamkeit des Unterrichts und nicht mehr nur auf den Auftrag der Stoffvermittlung gelegt werden“, so Dr. Müller.

Pressemitteilung vom: 22.11.2007

 
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Foto: Pädagogische Hochschule Weingarten
 
Bild:Professor Dr. Richard Münchmeier von der Freien Universität Berlin sprach im Rahmen des ersten Dies academicus an der Pädagogischen Hochschule Weingarten über Chancen und Risiken des Aufwachsens für heutige Jugendliche. Bild: PH