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Staubig, aber kreativ und glücklich

Weingarten – Auf dem Rasengelände vor dem Schlossbau, in dem die Pädagogische Hochschule Weingarten (PH) untergebracht ist, herrscht emsiges Treiben. Mit buntem Lack besprühte Blätter liegen auf der Wiese, neun Jugendliche werkeln mit Sprühdosen, begutachten kritisch ihre eigenen Werke und die Arbeiten ihrer Mitstreiter, um sich sogleich an die Umsetzung neuer Graffiti-Ideen zu machen. „Wir sind eine kreative Gruppe“, sagt Sven Rues. Er studiert Kunst an der Pädagogischen Hochschule und leitet den Workshop „Street Art – Schablonengraffiti“ im Rahmen eines Kunstwochenendes für Kinder und Jugendliche. Zusammen mit PH-Professor Dr. Martin Oswald haben Kunst-Studierende ein Programm erarbeitet, um jungen Teilnehmern außerhalb der Schule in drei verschiedenen Workshops die Möglichkeit zu geben, Kunst einmal anders zu erleben. Drei Tage lang arbeiten die Jugendlichen zusammen, beschäftigen sich mit Graffiti, mit Plastischem Arbeiten mit Ytong und Holz sowie dem Experimentieren mit Farbe. Auch zu Mittag gegessen wird gemeinsam.

Die Graffiti-Junioren hantieren mit vor Eifer geröteten Wangen und strahlenden Augen. „Es ist einfach nur toll“, schwärmen sie und zeigen lachend auf ihre Schutzhandschuhe, die inzwischen fast so bunt wie die Graffiti-Werke sind. „So was passiert halt, wenn man Lack sprüht“, meinen sie. Schablonen dienen der jungen Künstlergruppe als Grundlagen. „Wir verwenden auch stark reduzierte Fotos“, erklärt Sven und zeigt einige wirklich gelungene Ergebnisse. Über die Wurzeln der Graffiti-Kunst, die in der New Yorker Kunstszene der 1980er Jahre liegen, tasten sich die Jugendlichen unter Svens Anleitung an das heutzutage allgegenwärtige Phänomen der Graffiti-Kunst heran. Damit die Sprühlack-Dämpfe in die frische Luft entweichen können, wird im Freien gearbeitet – sehr zur Freude von Passanten, die immer wieder stehen bleiben, um die Werke zu bestaunen und zuzuschauen.

Währenddessen staubt es ganz ordentlich im zweiten Stockwerk des Schlossbaus. Dort bearbeiten die Kunst-Studentinnen Heidi Schumacher und Julia Schweizer mit Jugendlichen Ytong-Steine und Holz. Eine feine Staubschicht hat nicht nur Fußboden und Tische überzogen, auch Schutzkittel, Gesichter und Hände der Teilnehmer sind staubig. „Durch meine Brille sehe ich wegen des vielen Staubs kaum noch was“, lacht ein Mädchen und arbeitet dennoch voll Begeisterung mit Hammer, Meißel und Raspel weiter an einem Ytong-Stein. Die Werkzeuge für das Kunstwochenende stelle die PH zur Verfügung, berichtet Heidi. Die Ytong-Steine sind eine Spende der Weingartener Firma „Mayer Baustoff- und Landesprodukte GmbH“. Noch keine zwei Tage sind die Kunstjunioren zugange, doch es gibt schon jede Menge zu sehen: den erhobenen Zeigefinger einer riesigen Ytong-Hand beispielsweise, Tierfiguren, aber auch eindrucksvolle Ytong-Holz-Kombinationen. Zwölf bis 20 Jahre alt sind die Teilnehmer des Workshops „Staub und Späne“ – alle werkeln gleichermaßen begeistert. Die Aufgabenstellung, mit Ytong und Treibholz ein Werk zum Thema Balance zu schaffen, wird mit viel Kreativität bewältigt. „Wir sind selbst überrascht, was für tolle Objekte entstanden sind“, betont Heidi.

Gleich nebenan im Flur stehen Staffeleien. Dort befindet sich die dritte Kunstjunioren-Gruppe im Farbrausch. „Bei uns sind der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt“, erklären die Workshop-Leiterinnen Vera Helmig, Christine Doering und Katharina Rist, alle Kunststudierende der PH. Die Teilnehmer lernen verschiedene Techniken kennen und erkunden selbst, wie sich Farbe durch Mischen, Fließen, Antrocknen, Abkratzen oder Übermalen verändern lässt. „Ich wusste gar nicht, dass man Farbe auch ohne Pinsel toll auftragen kann“, begeistert sich ein Mädchen und präsentiert stolz ihre Kunstwerke, darunter einen riesigen Apfel und eine kreativ gestaltete Tasse. „Wir arbeiten mit ungewöhnlichen Materialien und Malgründen“, berichtet Christine. „Jedes entstandene Werk ist ein Unikat.“

Zum Abschluss des Kunstwochenendes werden die Ergebnisse aus den drei Workshops in einer kleinen Ausstellung präsentiert. Eltern, Freunde und Bekannte der Kunstjunioren sind beeindruckt. „Hoffentlich gibt es bald wieder so ein Angebot“, meint eine Mutter. Die Nachfrage bei diesem ersten Kunstwochenende jedenfalls war groß: „Wir konnten leider nur die Hälfte der Interessenten berücksichtigen“, berichtet Heidi Schumacher. „Vielleicht haben die anderen das nächste Mal mehr Glück.“

Pressemitteilung vom: 10.09.2007

 
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