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„Cool – das hört ja wirklich nie auf“

Weingarten – Vor dem naturwissenschaftlichen Gebäude der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH) herrscht Gedränge. PH-Studierende strömen in die Hörsäle oder in die Cafeteria, unterhalten sich in Grüppchen und blicken erstaunt lachend auf die vielen ganz jungen Besucher, die gleichfalls einem großen PH-Hörsaal zustreben. „He, wir haben heute Mathe als Thema“, raunt ein Studienjunior seinen weitaus älteren PH-Kommilitonen zu. „Mal abwarten: In der Schule finde ich das nicht so toll.“ Stolz zeigt Julian seinen Kinderuni-Ausweis und meint: „Aber ich bin ja für das Kinderuni-Semester eingeschrieben, da muss ich halt gehen – wie ihr ja auch.“ Nur wenig später sitzt Julian mit großen Augen im Hörsaal, lauscht gebannt den Worten von Professor Dr. Peter Baireuther vom PH-Fachbereich Mathematik und staunt über einen Kaleidozyklus-Ring, der durch die Reihen gegeben wird und sich immer und immer wieder drehen lässt, ohne an eine Grenze oder Sperre zu gelangen. „Mensch, dass so was auch Mathe ist, hätte ich nicht gedacht“, kommentiert Julian das Geschehen. „Das ist ja irre interessant.“ Sogar einen Bastel-Bauplan hat der Professor mit dabei. „Da könnt ihr euch zu Hause selbst einen Kaleidozyklus-Ring bauen.

Professor Baireuther zeigt den Juniorstudenten verschiedene Bilder. Auf dem einen krabbeln riesige Ameisen über eine liegende Acht. „Das Bild ist von dem Künstler M.C. Escher“, erklärt der Professor und macht die Kinder darauf aufmerksam, dass die Tierchen über die liegende Acht kriechen können, ohne jemals an ein Ende zu gelangen. „Ist ja toll“, sprudelt Lara hervor. „Das muss ich meinem Bruder Daniel erzählen, der kann gut malen und zeichnet mir das Bild vielleicht nach.“ Verblüfft betrachtet sie die nächste Zeichnung, auf der Wasser über einen Wasserfall und dann ganz klar nach unten zu fließen scheint, aber dennoch immer wieder oben beim Wasserfall ankommt. „Auch hier gibt es kein Ende, das Wasser plätschert immer im Kreis“, erklärt der Professor und zeigt den Jungstudenten als Nächstes einen Kreis mit einem Muster aus gleichen Figuren. „Die Figuren werden am Rand zwar immer kleiner, aber ich glaube, das geht immer so weiter“, überlegt die elfjährige Ella laut. „Genau so haben Mathematiker vor vielen hundert Jahren erkannt, dass es Unendlichkeit gibt“, erzählt Professor Baireuther.

Er berichtet den staunenden Kindern von einem Künstler, der seit nunmehr 42 Jahren jeden Tag zählt und Zahlenreihen auf schwarz grundierte Leinwand malt. Die Zahl mit sechs mal der Ziffer 6 hat er schon hinter sich – die Zahl mit acht mal der Ziffer 8 wird er vielleicht nicht mehr erleben. „Der Künstler ist schon 76 Jahre alt – allzu viel Lebenszeit hat er nicht mehr“, sagt der PH-Professor. Die Augen der Studienjunioren werden noch größer, als sie mit ausrechnen, dass ein Jahr 30 Millionen Sekunden hat und 100 Jahre somit drei Milliarden Sekunden. „Um sich eine Vorstellung von der Unendlichkeit zu machen, haben die Menschen das Zehner-, das Tausender- und das Millionen-System eingeführt“, erklärt Professor Baireuther. Wie groß die größte „wirkliche“, also „denkbare“ Zahl sein könnte, erahnen die Kinder, als es um das Gewicht der Erde mit „sechs mal zehn hoch 24 Kilogramm“ geht. „Wer hat die Erde denn gewogen?“ möchte Julian wissen und erfährt, dass solche „denkbaren“ Zahlen nur geschätzt sein können. „Pentilliarde, Sextillion – cool, das hört ja wirklich nie auf“, flüstert die zehnjährige Jessica fast ehrfürchtig. Und genau dies möchte der Professor den Uni-Kindern auch vermitteln. Er erzählt von einem Zahlenhotel mit unendlich vielen Zimmern, das – auch wenn noch so viele Gäste kommen – nie ganz besetzt sein wird. „Stimmt“, kommentiert Julian. „Ist unendlich denn dann auch eine Zahl?“ Darüber, erfahren die Studienjunioren, streiten sich bis heute die Gelehrten. Baireuther: „Unendlich gibt es dann, wenn ich das denken möchte.“

Pressemitteilung vom 24.04.2007

 
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