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„Sie haben sich um unsere Hochschule verdient gemacht“

Professor Dr. Hans Ulrich Rudolf (Fach Geschichte) wurde im Rahmen einer Feierstunde an der Pädagogischen Hochschule Weingarten in den Ruhestand verabschiedet

Weingarten – „Sie haben sich um unsere Hochschule verdient gemacht und hohe Maßstäbe gesetzt“, meinte Professor Dr. Werner Knapp, Dekan der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH), bei einer Feierstunde aus Anlass der Verabschiedung von Professor Dr. Hans Ulrich Rudolf in den Ruhestand. Viele Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren gekommen, um Rudolf nach 37 Jahren an der Hochschule auf dem Martinsberg bei einer Feier in der Aula der PH die Ehre zu erweisen. Als „Abschied“ sei dies keinesfalls zu verstehen, betonte PH-Rektor Professor Dr. Jakob Ossner: „Wir brauchen Sie und Ihr Wissen weiterhin – wenn auch nicht im aktiven und alltäglichen Hochschuldienst.“ Der allseits geschätzte Professor für das Fach Geschichte hatte zuletzt anlässlich des 950-jährigen Bestehens des Weingartener Klosters die Faksimileausgabe des Hainricus-Sakramentars initiiert und begleitet. Er verabschiedete sich mit einem Vortrag über das so genannte Weingartener Stifterbüchlein. Damit warb er zugleich für die Faksimilierung dieser historischen Schrift und signalisierte, dass sein Wechsel in den Ruhestand keineswegs mit der Beendigung seiner erfolgreichen wissenschaftlichen Arbeit verbunden ist.

Von 1962 bis 1967 studierte Rudolf Geschichte, Französisch und Latein an den Universitäten Tübingen, Münster, Bonn und Paris und absolvierte die erste Prüfung für das Lehramt an Gymnasien. Als er 1971 ein Promotionsstipendium der Universität Tübingen erhielt, lehrte er bereits zwei Jahre im Fach Geschichte an der PH in Weingarten. 1972 wurde er Dozent der Hochschule für die Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit sowie für Didaktik im Geschichtsunterricht. 1976 erfolgte Rudolfs Ernennung zum Professor. 2005 habe Rudolf sein 40-jähriges Dienstjubiläum gefeiert, berichtete Knapp. „Sein Anliegen war es immer, Geschichte in einer für Studierende und Schüler verständlichen Darlegung begreifbar zu machen.“ Professor Rudolf habe aber nicht nur durch seine Lehrtätigkeit überzeugt, betonte der Dekan. Der beliebte PH-Professor gab viele Schulbücher und Medien für den Geschichtsunterricht heraus, war Mitherausgeber von Atlanten zur Weltgeschichte, konzipierte Unterrichtsmodelle, Filme und Folien, hielt Seminare und Vorträge und übernahm 1985, als geringere Studentenzahlen Forschungsfreiräume zuließen, den Auftrag eine Kreisbibliographie für den Landkreis Ravensburg zu erstellen. Das Werk erschien 1990 und in einer überarbeiteten Ausgabe 1999. „Sie sind für mich ein oberschwäbischer Universalgelehrter“, bedankte sich Landrat Kurt Widmaier für die geleistete Arbeit. Die Verleihung des mit 13.000 Euro dotierten Friedrich-Schiedel-Wissenschaftspreises zur Geschichte Oberschwabens an Rudolf im Herbst 2007 sei äußeres Zeichen einer überaus hohen Wertschätzung.

Auch für die Stadt Weingarten habe Professor Rudolf Großes geleistet, meinte Gerd Gerber. Der Oberbürgermeister verwies auf die Herausgabe eines Heimatwerkes über die Stadt Weingarten, aber auch auf Jubiläums- und Festschriften oder Ausstellungen, darunter beispielsweise zur 900-Jahr-Feier der Heilig-Blut-Verehrung im Jahr 1994. „Sie waren für uns die personifizierte Regionalität der Pädagogischen Hochschule“, betonte Gerber. „Sie haben uns die reiche Geschichte unserer Stadt zugänglich gemacht.“ Seit 1990 arbeitet Rudolf darüber hinaus engagiert in der Redaktion der Zeitschrift „Im Oberland“ mit, seit 1996 ist er Mitglied im Vorstand der „Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur“, vor zwei Jahren wurde er zu deren Vorsitzenden gewählt. „Er weiß, was er in den kommenden Jahren zu tun hat“, betonte Dirk Gaerte, Landrat des Kreises Sigmaringen und stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft. „Es gibt noch viel zu erledigen.“

Professor Rudolf habe sich in all den Jahren kontinuierlich in die Selbstverwaltung der Hochschule eingebracht, lobte Dekan Knapp. So war Rudolf Mitglied im Senat, im großen Senat, in verschiedenen Ausschüssen und langjähriger Geschäftsführer der Vereinigung der Freunde der PH. „Er hat nicht nur mehr als eine Generation von jungen Geschichtslehrern geprägt, sondern auch für ein gutes Klima in unserem Fachbereich gesorgt“, betonte Professor Dr. Waldemar Grosch vom Fach Geschichte. Rudolf habe sich viele Freunde gemacht, ohne es allen Recht machen zu wollen, bescheinigten ihm die Kollegen und brachten ihre Wertschätzung in einer in Latein verfassten Urkunde „Mandatum Rudolfi“ zum Ausdruck. „Wir waren beeindruckt von seiner starken Persönlichkeit und seinem Wissen“, gestanden neun Studierende der Fachschaft Geschichte: „74 Semester im Dienst der Lehre mit Seminaren, Referaten, Klausuren, Exkursionen und alles ohne Lamentieren.“
Selbst bei trockenen Themen habe Rudolf die Studenten in seinen Bann gezogen. Und bei Exkursionen hätten sie nicht selten auch von seinen dionysischen Kenntnissen – beispielsweise bezüglich Wein – profitiert.

Und der so hoch Gelobte? „Ich bin überrascht, was Sie alles Positives über mich berichtet haben und danke Ihnen, dass Sie nicht nach Negativem gesucht haben“, sagte er bescheiden. Er sei vor 37 Jahren als „noch unfertiger Jungmann“ an die PH gekommen, habe acht Rektoren erlebt und in der Hochschule auf dem Martinsberg seine geistige Heimat und genügend persönlichen Freiraum gefunden. „In meinem Ruhestand warten neue Aufgaben auf mich“, beruhigte er die Festgäste. „Es wird nicht ruhig um mich werden.“

Wie sehr der Pädagogischen Hochschule Weingarten an einer Fortführung der erfolgreichen Arbeit im Bereich der profilierten Regionalforschung gelegen ist, belegt die schnelle Berufung eines Nachfolgers im Professorenamt. Mit Prof. Dr. Schiersner konnte ein ausgewiesener Kenner der historischen Forschung in Süddeutschland gewonnen werden.

Pressemitteilung vom 30. Januar 2007

 
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