Link:Zur Startseite | Logo: Pädagogische Hochschule Weingarten
 
Aktuelles
Hochschule
Studium/Lehre/Weiterbildung
Forschung
Einrichtungen/Personen
Leitung/Verwaltung
Service/Information
Link: www.ph-weingarten.de/en
 



 

„Wie bei den wirklichen Künstlern“

Vorlesung im Rahmen der Kinderuni mit Professorin Margarete Dieck an der Pädagogischen Hochschule Weingarten

Weingarten – Im großen Hörsaal des Naturwissenschaftlichen Zentrums der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH) herrscht quirliges Treiben. Mädchen und Jungs im Alter zwischen acht und zwölf Jahren drücken sich in die Hochschulbänke, zeigen stolz ihre Studienausweise und betrachten kichernd ein Bild Pablo Picassos, das auf eine große Leinwand projiziert ist. „Ist das ein Mann oder eine Frau?“ fragt ein Mädchen. „Ich glaube, beides“, antwortet ihre Banknachbarin.

Rund 250 Studienjunioren sind zu dieser im neuen Jahr ersten Veranstaltung der regionalen Kinderuni gekommen. Insgesamt zehn Vorlesungen bieten PH, Berufsakademie Ravensburg und Hochschule Ravensburg-Weingarten gemeinsam im Studienjahr 2006/07 an, um den Nachwuchs für die Hochschulen zu begeistern. Mit Erfolg, wie bei den eifrigen Kinderstudenten unschwer zu erkennen ist. Das Thema „Warum malen viele Künstler die Dinge anders, als sie aussehen“, das Professorin Dr. Margarete Dieck vom PH-Fachbereich Kunst mit ihren jungen Studenten behandelt, wird begeistert aufgenommen. „Ich hab da so eine Vermutung“, meldet sich ein Mädchen auf die Frage der Professorin zu Wort. „Die Künstler müssen gar nicht mehr so genau malen wie früher, weil es jetzt ja Fotoapparate gibt.“

Die Kunst-Expertin erklärt den staunenden Kindern, dass auch ein Pablo Picasso die Menschen, die er malte, sehr genau betrachtet haben muss. „Stimmt, man erkennt Nase und Augen, Ohrringe und sogar rot lackierte Fingernägel“, kommentiert ein Junge das Picasso-Bildnis Dora Maar. „Die Bilder sind ja noch komischer“, sind sich die wissbegierigen Kinder einig, als die Professorin ihnen Picassos „Frauenbüste mit Hut“ und „Weinende Frau“ zeigt. „Vielleicht möchte der Künstler mit seinem Gemälde ja auch Gefühle ausdrücken“, überlegt ein Mädchen laut. Dies sei sicherlich richtig, bestätigt Margarete Dieck und betont: „Ärgern wollte Picasso seine Modelle bestimmt nicht.“ Einen weiteren Grund, warum Künstler Dinge anders malen, als sie aussehen, nennt der zehnjährige Markus. „Ich glaube, weil es ihnen so gut gefällt und weil sie ihre Fantasie zeigen wollen.“

Der Professorin gelingt es, die Kinder trotz einer teils überaus lautstarken Begeisterung eine Stunde lang in den Bann der Bilder zu ziehen. Sogar selbst malen dürfen die Juniorstudenten. Ein Auto soll es sein. „Überlegt euch gut, was auf dem Bild alles zu sehen sein soll und was für euch besonders wichtig ist“, rät Professorin Dieck. Sechs Kinder dürfen sogar auf Folien malen, damit ihre Autos über Overhead-Projektor allen gezeigt werden können. Verblüfft stellen die Juniorstudenten fest, dass sich die gemalten Autos gänzlich unterschieden. Eines wurde von oben betrachtet gemalt, das andere von der Seite, bei dem einen dominieren die Fenster, beim anderen die Lichter oder Rückspiegel. „Wie bei den wirklichen Künstlern“, erklärt die Kunstprofessorin. „Auch Künstler malen oft nur das, was ihnen gefällt und lassen das andere einfach weg“, erklärt sie und zeigt das 1912/13 entstandene Bild „Dynamismus eines Automobils“ von Luigi Russolo. „Der hat ja gemalt, wie schnell das Auto an ihm vorbeigefahren ist“, staunt ein Mädchen. Auch wenn Dinge weggelassen würden, könne man auf vielen Bildern erkennen, was dargestellt sei, sagt Margarete Dieck und zeigt Franz Marcs Bild „Der Tiger“ von 1912. „Dem fehlen zwar die Streifen“, stellt ein Junge fest. „Aber es ist trotzdem ein Tiger.“

Die Vorlesung ist vorbei, der PH-Hörsaal lehrt sich schnell. „War es interessant?“ fragt eine Mutter ihren Kinderstudenten. „Ja toll, aber jetzt fahren wir schnell heim, ich muss unbedingt was malen“, lautet die Antwort.

Pressemitteilung vom 11.01.2007

 
DruckansichtDruckansicht