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„Kein Jugendlicher darf verloren gehen“

Weingarten – „Kein Jugendlicher darf verloren gehen“ lautet für Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), das  oberste Bildungsziel. Braun war zu Gast an der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH), um über das Thema Lehrerbildung aus Sicht der Wirtschaft zu diskutieren.  Zu dieser hochrangig besetzten Veranstaltung mit zahlreichen Vertretern aus Wirtschaft und Schule hatten die PH-Weingarten sowie die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) gemeinsam eingeladen.

Hintergrund ist die vom DIHK veröffentliche Broschüre zum Lehrerbild im Jahr 2015. Unter dem Titel „Lehrer sein, heißt Kinder Flügel verleihen“ werden Vorstellungen der Wirtschaft zur künftigen Lehrerausbildung entwickelt. Nicht der DIHK-Leitfaden an sich, sondern dessen Inhalt habe überrascht, sagte PH-Rektor Professor Dr. Jakob Ossner. „Der Entwurf trägt Großzügigkeit.“ Die PH tausche sich seit längerem mit der regionalen Wirtschaft aus. Ein Ergebnis dabei seien die Betriebspraktika, die PH-Studierende absolvieren. Bewährt habe sich auch der Modellversuch der PH, bei dem Studierende nach dem zweiten Semester für ein ganzes Jahr an eine Schule gehen und unterrichten. Diese Maßnahme, so der PH-Rektor, komme dem dualen Ausbildungsmodell der Wirtschaft nahe. 

Die Wirtschaft mische sich deshalb ein, weil in der Vergangenheit oft entsprechende Wechselwirkungen  ausgeblendet worden seien, so Braun. Jetzt sei es an der Zeit, gemeinsam dafür zu sorgen, dass junge Menschen in Europa mit möglichst standardisierten, gegenseitig anerkannten Berufsbildern zu tun hätten. Das Schulwissen in Deutschland habe in den vergangenen Jahren stetig abgenommen, kritisierte der DIHK-Präsident. 23 Prozent eines Schuljahrgangs seien  abschlussgefährdet. „Da muss etwas getan werden.“ Die Wirtschaft als „großer Abnehmer der Schulabgänger“ interessiere in erster Linie deren Qualifizierung. Braun forderte in diesem Zusammenhang, nicht nur die Ausstattung mit Kinderkrippen und anderen Ganztagesangeboten sicherzustellen. „Auch die dort vermittelten Inhalte müssen stimmen“, so der DIHK-Präsident. Lehrer hätten darüber hinaus einen Integrationsauftrag. Beispielsweise gebe es längst Serbisch, Türkisch oder Russisch sprechende Polizisten. „Warum nicht auch solche Lehrer?“ fragte Braun.  Angesichts 15 Prozent ausländischer Mitbürger gewinne besonders die Spracherziehung immer mehr an Bedeutung. Dazu berichtete Rektor Ossner, an der PH werde bereits über den Bereich Mehrsprachigkeit als Inhalt der Lehrerbildung nachgedacht,

Eltern seien heute teilweise nicht mehr in der Lage, ihre Erziehungspflichten wahrzunehmen, so Braun weiter. Lehrer müssten daher dazu befähigt werden, diese Defizite auszugleichen. Nicht nur die fachliche Wissensvermittlung sei wichtig. Jugendliche  sollten auch begeistert und außerhalb des Unterrichts altersspezifisch begleitet werden. Braun forderte in diesem Zusammenhang Tages- oder kurze Blockpraktika der Studierenden an Schulen, kontinuierliche Weiterbildung der Lehrkräfte, kleinere Klassen und eine „deutlich größere Selbständigkeit der Schulen“ in der Umsetzung entsprechender Konzepte. Studierende könnten nach Erreichen des  Bachelor-Abschlusses auch schon in der vorschulischen Phase als Förderlehrer für Lernschwache und als Klassenmanager, beispielsweise für die Organisation von Klassenfahrten, eingesetzt werden, so Braun weiter. In der Bachelor/Masterkombination lägen große Chancen. Auch die Wirtschaft engagiere sich zunehmend in den Schulen, berichtete Markus Brunnbauer, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Ausbildung in Weingarten. Ehrenamtliche Berufsbegleiter sollen die Jugendlichen auf das Berufsleben vorbereiten. 

Für eine Reformierung der Lehrerausbildung machte sich in der anschließenden Diskussion auch Klaus Bott, Rektor der Birkenfeld-Grundschule in Biberach, stark. Die Biberacher Schule beteiligt sich an dem bundesweit beachteten Modellprojekt der Pädagogischen Hochschule Weingarten zum verstärkten Praxisbezug für Studierende nach dem zweiten Semester.  „Der ganze Jahreskreis eines Schuljahrs“ sollte schon von den angehenden Lehrern miterlebt werden, so Bott. Die von Braun geforderten Tages- oder Blockpraktika seien noch zu wenig.  Spezialisierte Förderlehrer würden zunehmend wichtig, so Bott weiter. Beispielsweise hätten laut einer jüngst erfolgten Erhebung 47 Prozent der eingeschulten Schüler Wahrnehmungsprobleme. Aufgabe eines Förderlehrers könne es sein, die Bildungsfähigkeit dieser Schüler herzustellen. Die PH habe mit der Einrichtung von Forschungszentren wie dem „Zentrum für Elementar- und Primarbildung“ oder dem „Zentrum für Sekundarbildung und Ausbildungsfähigkeit“ auf diese Entwicklungen bereits reagiert, berichtete Rektor Ossner. Auch eine Professur für Elementarbildung wurde geschaffen. „Wir haben unsere Hausaufgaben begriffen.“ An der fachlichen Qualität der Lehrer dürfe keinesfalls gespart werden.

Bildtext: Diskutierten an der Pädagogischen Hochschule Weingarten eine Reformierung der Lehrerbildung (von links): Rektor Professor Dr. Jakob Ossner, DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun und Helmut Schnell, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben. Bild: PH



 
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