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"Auf Kosten des zart Frauenhaften"

Rückblick auf 200 Jahre Mädchenbildung und Lehrerinnenberuf in Baden-Württemberg

Publikation zur Ausstellung:

Gisela Danz: „Auf Kosten des zart Frauenhaften“.
Ein Rückblick auf 200 Jahre Mädchenbildung und Lehrerinnenberuf in Baden-Württemberg.
Eppe, Bergatreute 1992.

Der Lehrerinnenberuf ist wie kein anderer Beruf geeignet, um aufzuzeigen, wie sich mit ihm auch eine veränderte bürgerliche Frauenrolle entwickelte: die Rolle des gebildeten, qualifizierten in einem gesellschaftlich geachteten Beruf tätigen „Fräulein“, das sich auch ohne Ehemann ernähren kann.

Für einen immer größer werdenden Kreis bürgerlicher Frauen wurde der Lehrerinnenberuf – aus persönlichen Motiven oder auch ökonomischen Zwängen heraus – Alternative zur bis dahin fast einzig möglichen Frauenrolle der Hausfrau-Gattin-Mutter.

Den Lehrerinnen wurde die berufliche Emanzipation ausgesprochen schwer gemacht. Sie wurde von ihren männlichen Kollegen nicht nur als Konkurrenz aufgefasst, sondern bedrohten die bürgerlichen Vorstellungen vom hierarchischen Geschlechtsverhältnis.

Als „wesensgemäß“ galt, dass die Lehrerin nur Mädchen und untere, manchmal auch mittlere gemischte Klassen unterrichten durfte. Ein weibliches Wesen konnte in der Schule des 19. Jahrhunderts auch nur als „Lehrergehilfin“ bzw. „Unterlehrerin“ ohne Anspruch auf eine feste „Planstelle“ beschäftigt werden. Soziale Sicherheit, z.B. Anspruch auf ein Ruhegehalt, gab es für sie nicht. Auch lagen ihre Bezüge weit unter denen der männlichen Kollegen.

Diese wie auch andere Regelungen der Folgezeit führten dazu, dass die Lehrerin bis weit ins 20. Jahrhundert nicht gleichberechtigt mit dem Lehrer war.

 
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Frauenbildung